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Prolaktinom: Sexualstörungen sind typisch

Prolaktinome sind gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse, die das Hormon Prolaktin freisetzen. Die Patienten entwickeln typische Symptome wie Unfruchtbarkeit, Zyklus- bzw. Potenzstörungen sowie Sehstörungen.

Hypophyse-ProlaktinomNeben Akromegalie und Morbus Cushing können Tumoren in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) noch andere Krankheiten verursachen. Hierzu gehört ein Überschuss des Hormons Prolaktin im Blut, die sogenannte Hyperprolaktinämie. Der dafür verantwortliche Tumor, der das überschüssige Prolaktin produziert und freisetzt, wird Prolaktinom genannt.

Das Prolaktinom ist der häufigste aller hormonaktiven Hypophysentumoren. Pro Jahr erkranken etwa 3 von 100.000 Menschen daran. Der Tumor kann in jedem Alter vorkommen, meistens bildet er sich aber zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr. Bei jüngeren Patienten überwiegt der Anteil der Frauen, bei älteren erkranken beide Geschlechter etwa gleich häufig. Ein Prolaktinom ist in aller Regel gutartig, bildet also keine Tochtergeschwülste (Metastasen) aus. [1,2]


Welche Aufgaben hat Prolaktin im menschlichen Körper?

Die Hauptaufgabe von Prolaktin besteht darin, die Milchproduktion (Laktation) in der weiblichen Brustdrüse zu fördern. Daher wird das Hormon vermehrt in der Schwangerschaft gebildet und während der Stillzeit bei einem Saugreiz in großer Menge ausgeschüttet, um den Milchfluss aufrecht zu erhalten. Auf diese Funktion geht auch der Name des Hormons zurück: lat. pro lacte = für die Milch. [3]

Darüber hinaus hemmt Prolaktin die Ausschüttung des sogenannten Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) und damit indirekt auch die Freisetzung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH). Das FSH stimuliert bei beiden Geschlechtern die Reifung der Keimzellen, d. h., beim Mann wird die Bildung von Spermien, bei der Frau die Reifung der Eizelle angeregt. Das LH fördert bei Männern die Bildung des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron) und löst bei Frauen den Eisprung aus. [4–6]


Prolaktinom verursacht charakteristische Beschwerden

Bei Patienten mit einem Prolaktinom setzt der Tumor vermehrt Prolaktin frei. Dadurch wird weniger GnRH und damit auch weniger FSH und LH ausgeschüttet. In der Folge können sich die typischen Symptome eines Prolaktinüberschusses entwickeln, die sich z. B. in einer gestörten männlichen bzw. weiblichen Sexualfunktion äußern. Im Einzelnen gehören hierzu: [1,2,7,8]

  • bei der Frau: Zyklusstörungen, z. B. Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe), Unfruchtbarkeit, Ausfluss von Milch aus der Brustdrüse (Galaktorrhoe),
  • beim Mann: Libido- und Potenzstörungen, eingeschränkte Spermienqualität bis hin zur Unfruchtbarkeit, verminderter Bartwuchs und Sexualbehaarung. Auch bei einigen Männern kann es zu spontanem Milchfluss kommen.

Wenn der Tumor an Größe zunimmt, kann er durch den Druck auf das umliegende Gewebe außerdem zu Kopfschmerzen, Einschränkungen des Gesichtsfeldes und anderen Sehstörungen führen. Häufig sind Gesichtsfeldausfälle auch der Grund dafür, dass der Patient den Arzt aufsucht  [1].


Laboruntersuchungen und Bildgebung ermöglichen die Diagnose

Besteht aufgrund der Symptome der Verdacht, dass ein Prolaktinom vorliegen könnte, wird zur Diagnose zunächst eine Laboruntersuchung des Bluts durchgeführt. Deutlich erhöhte Werte von Prolaktin sprechen dafür, dass ein Prolaktinom vorliegt. Eine leichte Erhöhung der Prolaktinkonzentration im Blut kann durch einen sehr kleinen Tumor oder aber durch andere Faktoren, wie z. B. bestimmte Medikamente, eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Stress, verursacht werden. [9]

Um die Diagnose „Prolaktinom“ abzusichern, wird der behandelnde Arzt den Patienten mit einem bildgebenden Verfahren untersuchen. Zum Nachweis des Tumors kann er eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen. Dadurch lässt sich auch die genaue Lage und Größe des Tumors bestimmen. Ein Augenarzt kann durch entsprechende Untersuchungen, z. B. durch eine Gesichtsfeldmessung, feststellen, ob der Sehnerv durch den Tumor geschädigt ist. [1,7]


Bei der Behandlung stehen Medikamente im Vordergrund

Um ein Prolaktinom zu behandeln, wird der Arzt den meisten Patienten zunächst bestimmte Medikamente, sogenannte Dopaminagonisten, verordnen. Das sind synthetisch hergestellte Substanzen, die ähnlich wirken wie das Hormon Dopamin. Sie hemmen die Freisetzung von Prolaktin, führen dadurch zu einer Senkung des Prolaktinspiegels im Blut und damit zur Verbesserung der Symptome. Außerdem können durch diese Arzneimittel bei mehr als 80 % der Patienten eine Schrumpfung bis hin zur Auflösung des Tumors erreicht werden. Die medikamentöse Therapie muss unter Umständen über Jahre, eventuell auch lebenslang durchgeführt werden, wobei eine regelmäßige Kontrolle des Prolaktinspiegels notwendig ist. [1,2,7,8]

Bei Patienten, die auf eine solche Therapie nicht ansprechen oder diese nicht vertragen, kann eine Operation des Tumors notwendig werden. Schlagen weder die medikamentöse noch die operative Therapie an, gibt es auch die Möglichkeit, die Prolaktinkonzentration durch langfristige Bestrahlung des Tumors zu normalisieren. [1,2,7,8]

Nicht alle Prolaktinome müssen sofort behandelt werden. Bei kleinen Tumoren, die keine Beschwerden verursachen, kann vorläufig auf eine Therapie verzichtet werden. Bei diesen Patienten ist es aber besonders wichtig, dass der Arzt den Krankheitsverlauf regelmäßig kontrolliert, um Veränderungen, wie z. B. eine Größenzunahme des Tumors und/oder eine Erhöhung der Prolaktinkonzentration, im Blut rechtzeitig erkennen und entsprechend behandeln zu können. [7]

Quellen:
[1] Medizininfo. Prolaktinom (zuletzt besucht am 30.07.2013). http://www.medizinfo.de/endokrinologie/hypo/prolaktinom.htm.
[2] Deutsche Gesellschaft für Nährstoffmedizin und Prävention (DGNP) e. V. Hyperprolaktinämie – Prolaktinom (zuletzt besucht am 30.07.2013). http://www.gesundheits-lexikon.com/Krebs/Hyperprolaktinaemie-Prolaktinom/.
[3] DocCheck-Flexikon. Prolaktin (zuletzt besucht am 31.07.2013). http://flexikon.doccheck.com/de/Prolaktin
[4] DocCheck-Flexikon. Gonadotropin releasing hormone (zuletzt besucht am 31.07.2013). lexikon.doccheck.com/de/GnRH.
[5] DocCheck-Flexikon. Follikelstimulierendes Hormon (zuletzt besucht am 31.07.2013). http://flexikon.doccheck.com/de/FSH.
[6] Dr. med. Michael Bolz, Dr. Universitätsfrauenklinik Rostock. Seminar: Der weibliche Zyklus (zuletzt besucht am 31.07.2013). http://www.biochemie-med.uni-rostock.de/materialien/klin_seminare/LP_Endo2.pdf.
[7] Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e. V. Informationsbroschüre: Prolaktinom, Hyperprolaktinämie (Stand Oktober 2009). http://www.glandula-online.de/cms/cms/upload/Broschren/Prolaktinom_Bro_web.pdf.
[8] Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Prolaktinom (zuletzt besucht am 31.07.2013). http://www.mpipsykl.mpg.de/clinic/erkrankungen/endokrine/endokrine_05/index.html.
[9] DocCheck-Flexikon. Prolaktinom (zuletzt besucht am 31.07.2013). http://flexikon.doccheck.com/de/Prolaktinom#Diagnostik.

Autor: Stefan Oetzel
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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