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Therapietreue – eine Aufgabe für Arzt und Patient

Die beste Behandlung hilft nur, wenn sie vom Patienten aktiv mitgetragen wird. Diese Therapietreue kann durch viele Faktoren gestört werden. Sie zu kennen, hilft Arzt und Patient dabei, gemeinsam Lösungen zu finden.

Therapietreue – eine Aufgabe für Arzt und Patient

Morbus Cushing gehört zu den gutartigen Tumorerkrankungen. Nicht immer kann sie durch eine Operation geheilt werden. Medikamente können aber dabei helfen, die Beschwerden zu lindern und das Tumorwachstum zu hemmen. Wie bei Bluthochdruck oder anderen chronischen Erkrankungen müssen diese Medikamente dauerhaft, häufig ein Leben lang, angewendet werden.

Ganz entscheidend für den Therapieerfolg ist die Therapietreue, also das Befolgen der ärztlichen Empfehlungen. Zwischen 30 und 50 % der Patienten mit chronischen Erkrankungen wenden Arzneimittel jedoch z. B. nicht regelmäßig an [1]. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie reichen von der Angst vor Nebenwirkungen bis hin zum einfachen Vergessen. Wenn die Ursache gefunden und offen angesprochen wird, können Arzt und Patient häufig gemeinsam eine gute Lösung finden.

 

Medikamente – so selbstverständlich wie das Zähneputzen

Für Ärzte und Apotheker

Medikamente bei Morbus Cushing

Häufig wird ein Patient der vom Arzt empfohlenen Therapie gar nicht absichtlich untreu. Morgens schon ganz in Gedanken an die Arbeit oder in abendlicher geselliger Runde – Gründe gibt es viele, die einen die Medikamentenanwendung schon mal vergessen lassen. Doch es gibt Tricks und Tipps, die hier Abhilfe schaffen können:

  • Pillenboxen / Medikamentendosierer: Hier können Medikamente für eine ganze Woche im Voraus für morgens, mittags und abends einsortiert werden. So geht z. B. auch in morgendlicher Hektik kein Medikament unter.
  • Routine: Verbinden Sie die Medikamenteneinnahme mit anderen Dingen, die sie regelmäßig tun, ohne groß darüber nachzudenken. Zähneputzen oder das Zubereiten von Essen bieten sich z. B. an.
  • Lassen Sie sich erinnern: Kalendereinträge, programmierbare Wecker, Apps, telefonischer Erinnerungsservice - es gibt viele Möglichkeiten, sich an die Medikamentenanwendung erinnern zu lassen. Auch Personen, die mit Ihnen in einem Haushalt leben, können eine wertvolle Gedächtnisstütze sein.
  • Gut platziert: Platzieren Sie Medikamente, Medikamentendosierer, Erinnerungszettel oder Kalender an Stellen, die Ihnen zu der entsprechenden Tageszeit automatisch ins Auge fallen. Wird ein Medikament immer zu den Mahlzeiten eingenommen, kann sich z. B. die Küche anbieten.

Nicht alle Maßnahmen sind für jeden Patienten oder jede Behandlung geeignet. Probieren Sie aus, was Ihnen am Besten hilft und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus.

 

Therapietreue beim Spritzen von Medikamenten

Ein Gespräch mit dem Arzt oder der Austausch mit Betroffenen hilft häufig auch, wenn Behandlungen unangenehm sind. Sehr große Tabletten lassen sich z. B. gut mit einem Löffel Pudding oder Quark schlucken. Auch für das Spritzen von Medikamenten gibt es Tricks und Tipps:

  • Die Technik: Lassen Sie sich das Spritzen ruhig im Verlauf noch einmal vom Arzt oder vom Pflegepersonal zeigen oder führen Sie es mit ihnen zusammen durch. Richtiger Winkel und Geschwindigkeit, mit der die Nadel durch die Haut geführt wird, können die Verabreichung häufig angenehmer gestalten.
  • Die richtige Stelle: Auch bei den empfohlenen Stellen für eine Spritze gibt es individuelle Unterschiede. Beobachten Sie, welche Bereiche Sie als angenehmer empfinden. Von blauen Flecken, Wunden, Narben oder dem Bereich rund um den Nabel sollte z. B. Abstand gehalten werden. [3]
  • Gegen den Schmerz: Die Haut im Bereich der Injektionsstelle kann mit verschiedenen Mitteln kurz vorher unempfindlicher gemacht werden. Von einfachen Tricks wie dem Zwicken in die Hautstelle bis hin zu lokal betäubenden Wirkstoffen – lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten und tauschen Sie sich mit Betroffenen aus. [3]

 

Angst vor Nebenwirkungen offen ansprechen

Zu den wichtigsten Faktoren für die Therapietreue gehört, dass Patienten die Erkrankung Morbus Cushing, die Behandlung und auch mögliche Nebenwirkungen verstehen. Wenn ein Betroffener z. B. weiß, dass eine medikamentöse Behandlung nur die Beschwerden lindern, nicht aber den Tumor beseitigen kann, wird er das Medikament viel eher auch weiterhin regelmäßig anwenden, selbst wenn er keine Beschwerden mehr hat.

Auch die Angst vor Nebenwirkungen führt häufig dazu, dass Medikamente nicht oder nur unregelmäßig eingenommen werden. Wichtig ist vor allem, dass Patienten dies offen beim Arzt ansprechen. Er kann Ihnen helfen, das tatsächliche individuelle Risiko richtig einzuschätzen. Fragen Sie darüber hinaus nach, was zu tun ist, wenn Nebenwirkungen eintreten – das gibt Sicherheit im Umgang mit dem Medikament. Auch mögliche Nebenwirkungen oder unangenehme Begleiterscheinungen sollten offen angesprochen werden. Nur so kann der Arzt diese behandeln oder ggfs. auf ein anderes Medikament umstellen.

Neben solchen direkt behandlungsbezogenen Faktoren gibt es aber noch weitere Aspekte, die die Therapietreue maßgeblich beeinflussen können.

 

Therapietreue – manchmal eine finanzielle Frage

Gerade bei chronischen Erkrankungen sind Medikamente oder ergänzende Behandlungsmaßnahmen wie eine Physiotherapie häufig kostspielig. Hinzu kommen die regelmäßig anfallenden Kosten für die Fahrten zum Arzt. Auch wenn gesetzlich geregelt ist, dass die Zuzahlungen einen gewissen Betrag nicht übersteigen dürfen, kann auch dieser, gerade auf Dauer, eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen.

Zögern Sie nicht, mit Ihrem behandelnden Arzt, Ihrer Krankenkasse, speziellen Beratungsstellen oder dem Sozialamt darüber zu sprechen. Die Möglichkeiten reichen von Zuzahlungsbefreiungen bis hin zu Kostenübernahmen.

 

Arbeiten trotz chronischer Erkrankung

Zu den größten Herausforderungen kann es gehören, Arbeit und chronische Erkrankung unter einen Hut zu bekommen. Viele Patienten lassen lieber einen Kontrolltermin ausfallen, bevor sie bei der Arbeit fehlen oder nehmen aus Angst vor Nebenwirkungen ein Medikament nicht ein, wenn das ihre Arbeitsfähigkeit an einem wichtigen Tag einschränken könnte. Dass dies ernstzunehmende Folgen für die Gesundheit und damit auch für die langfristige Arbeitsfähigkeit haben kann, ist den meisten klar – dennoch wird dies angesichts des tatsächlichen oder vermuteten Drucks der heutigen Arbeitswelt häufig verdrängt.

Auswege kann ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder auch dem Betriebsarzt des Unternehmens aufzeigen. Letzterer unterliegt, wie jeder Arzt, der Schweigepflicht, solange nicht andere Menschen gefährdet sind. Je nach Arbeitgeber und dessen Philosophie kann auch ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzten und den Kollegen hilfreich sein. Wenn diese erst einmal wissen, warum Sie immer wieder zum Arzt müssen oder an manchen Tagen nicht so leistungsfähig sind wie erwartet, können sie sogar zu einer wertvollen Unterstützung werden.

 

Unterstützung durch Familie und Freunde

Das gleiche gilt für das Leben außerhalb der Arbeit. Viele Menschen versuchen trotz einer chronischen Erkrankung wie Morbus Cushing, weiterzuleben wie bisher und sich die Erkrankung nicht anmerken zu lassen. Da verschiebt man lieber einen Arzttermin, als dem Freundeskreis zu sagen, warum man an dem Tag keine Zeit hat. Doch damit berauben Sie sich einer wertvollen Unterstützung. Versuchen Sie doch mal, sich gerade am Tag Ihrer Kontrolluntersuchung regelmäßig mit Freunden zu verabreden.

Vor allem Ihr Lebenspartner kann Sie unterstützen [2]. Nehmen Sie ihn zu Arztterminen mit: Er kann zuhören und Fragen stellen, an die Sie gar nicht gedacht haben oder Sie so zu Hause besser unterstützen. Wenn Ihnen gerade die Kraft fehlt, kann er auch, mit entsprechenden Vollmachten versorgt, Behördengänge für Sie übernehmen.

Quellen:
[1] http://www.aerzteblatt.de/archiv/125150/Therapietreue-Verweigerer-und-Kalkulierer, zuletzt besucht am 10.12.2012
[2] http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/praxisfuehrung/article/813834/soziales-umfeld-beeinflusst-therapietreue.html, zuletzt besucht am 10.12.2012
[3] http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/gesundheit/themenuebersicht/medizin/medikamente-spritzen-spritze-diabetes100.html, zuletzt besucht am 14.01.2013

Autor: Dr. med. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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