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Morbus Cushing: Verlaufskontrolle durch Kortisol im Urin

Die Menge an Kortisol zu bestimmen, gehört zu den wichtigsten Verlaufsuntersuchungen während oder nach einer Behandlung bei Morbus Cushing. Die Messung im Urin bietet dabei einige Vorteile gegenüber anderen Verfahren.

Morbus Cushing: Verlaufskontrolle durch Kortisol im Urin Beim Morbus Cushing (M. Cushing) bildet ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse das Hormon ACTH (adrenokortikotropes Hormon) im Überschuss und veranlasst dadurch die Nebennieren dazu, zu viel Kortisol zu bilden. Dieses Stresshormon ist für Beschwerden wie Gewichtszunahme, erhöhten Blutdruck oder verminderte Leistungsfähigkeit verantwortlich.

Gemeinsames Ziel einer operativen Behandlung, einer Bestrahlung oder einer medikamentösen Therapie ist es daher, die Menge an Kortisol zu senken. Aus diesem Grund gehört, neben bildgebenden Verfahren und Augenuntersuchungen, die Messung der Kortisolmenge zu den wichtigsten Verlaufsuntersuchungen. Steigt die Menge an Kortisol an, kann dies z. B. darauf hinweisen, dass der Tumor wieder aufgetreten ist oder sich vergrößert hat.

Doch warum wird die Kortisolmenge im Urin gemessen? Und warum muss man den Urin dafür über 24 Stunden sammeln?

 

Kortisolspiegel schwanken im Tagesverlauf

Für die meisten Beschwerden bei Morbus Cushing ist der erhöhte Kortisolspiegel im Blut verantwortlich. Am naheliegendsten wäre es daher, den Kortisolspiegel auch im Blut zu messen. Die Menge an Kortisol unterliegt aber erheblichen tageszeitabhängigen Schwankungen und weiteren Faktoren wie z. B. körperlicher Aktivität oder Stress. Einmalige Blutabnahmen an unterschiedlichen Tagen im Verlauf wären dadurch kaum vergleichbar. Für die Diagnose eines Morbus Cushing wird daher mehrfach über den Tag und auch in der Nacht Blut abgenommen. Für Verlaufskontrollen ist es angenehmer und einfacher, den Kortisolwert im Urin zu messen.

 

Wie kommt Kortisol in den Urin?

Zwischen 12 und 30 mg Kortisol werden pro Tag von den Nebennieren gebildet und an das Blut abgegeben [1]. Etwa 0,5 % dieses im Blut vorhandenen Kortisols werden unverändert im Urin ausgeschieden und können dort als sogenanntes „freies Kortisol im Urin“ gemessen werden [1]. Die Menge an Kortisol im Urin ist aber neben der Menge an Kortisol im Blut noch von anderen Faktoren, wie z. B. der Nierenfunktion abhängig. Darüber hinaus verwenden Labore möglicherweise unterschiedliche Verfahren mit verschiedenen Normalwerten. Lassen Sie sich unklare Werte daher am besten von Ihrem behandelndem Arzt erklären.

 

Urin muss über 24 Stunden gesammelt werden

Bei einer einmaligen Urinprobe bestünde das gleiche Problem wie bei einer einmaligen Blutabnahme: Tageszeitabhängige Schwankungen und andere Faktoren wie körperliche Aktivität oder Stress würden dazu führen, dass die Kortisolmengen auch in den Urinproben im Verlauf kaum vergleichbar wären. Die Menge an Kortisol, die über einen ganzen Tag aus den Nebennieren abgegeben wird, schwankt deutlich weniger [1]. Daher wird der Urin über 24 Stunden gesammelt, und die Menge an Kortisol in diesem sogenannten „24-Stunden-Urin“ gemessen [2]. Diese Werte lassen sich nun im Verlauf gut vergleichen.

 

Das richtige Sammeln des Urins ist wichtig

Um verlässliche und vergleichbare Kortisolwerte zu erhalten, ist es wichtig, den Urin immer auf die gleiche Art und Weise zu sammeln. In der Regel beginnt und endet die Sammlung des 24-Stunden-Urins immer mit leerer Harnblase. Wenn Sie also um 8 Uhr mit dem Sammeln beginnen, entleeren Sie zu diesem Zeitpunkt die Blase, ohne diese Urinmenge bereits zu sammeln. Die letzte Urinmenge sammeln Sie dann bei der Blasenentleerung am Folgetag um 8 Uhr [2]. Auch Ihr Arzt wird Ihnen aber vorher im Einzelnen erklären, was Sie beachten müssen.

Quellen:
[1] Forth W, Henschler D, Rummel W: Pharmakologie und Toxikologie. 8. Auflage. Mai 2001. Urban & Fischer Verlag. ISBN 3-437-42520.
[2] Dörner K.: Klinische Chemie und Hämatologie. 4. Auflage. Stuttgart: Thieme 2001. ISBN 3-13-129714-X
Autorin: Dr. med. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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