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Medikamente − Auswirkungen auf Leber und Nebennieren

Medikamente gegen Morbus Cushing können die Funktion von Leber und Nebennieren beeinträchtigen. Durch regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls eine Anpassung der Therapie lassen sich die Beschwerden gut beherrschen.

Medikamente − Auswirkungen auf Leber und Nebennieren

Patienten mit Morbus Cushing können − außer durch Operation und Strahlentherapie − auch mit Medikamenten behandelt werden. Diese sogenannten Somatostatin-Analoga hemmen die Aktivität des Tumors in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), der die Ursache für die Krankheit ist. So können die Krankheitsbeschwerden wirksam gelindert werden.

Ebenso wie andere Medikamente können Arzneimittel gegen Morbus Cushing bei einigen Patienten aber auch Nebenwirkungen hervorrufen. Hierzu gehört eine Beeinträchtigung der Funktion von Leber und Nebennieren. Doch warum kommt es zu Nebenwirkungen und was kann man dagegen tun?

 

Leber − die Zentrale des Stoffwechsels

Die Leber ist das zentrale Organ des menschlichen Stoffwechsels. Sie funktioniert wie eine chemische Fabrik, die die verschiedensten Substanzen produziert, abbaut oder umwandelt. Giftige Stoffe, die als Abbauprodukte im Körper entstehen oder über Nahrung und Getränke in den Organismus gelangen, werden durch die Leber ebenso verstoffwechselt und ausgeschieden wie die meisten Medikamente. [1,2]

Arzneimittel und Giftstoffe können die Leberzellen aber auch schädigen, vor allem, wenn sie in zu großer Menge im Körper vorkommen. Die Symptome sind dann oft sehr unspezifisch, wie z. B. Müdigkeit, Juckreiz, Appetitverlust. Typisch für Lebererkrankungen ist eine Gelbfärbung der Haut und Augen („Gelbsucht“). Die gelbe Farbe wird durch einen Anstieg von Bilirubin (Gallenfarbstoff) im Blut verursacht, das beim Abbau überalteter Blutkörperchen entsteht und nicht mehr vollständig aus dem Körper entfernt werden kann, wenn die Funktion der Leber gestört ist. [1,2]

Die Leber besitzt jedoch die Fähigkeit, sich in gewissen Grenzen zu regenerieren. Das Organ kann also krankes oder geschädigtes Gewebe zum Teil durch neugebildetes, gesundes Gewebe ersetzen. Daher ist die Leber sehr widerstandsfähig und kann sich von Schädigungen, die beispielsweise durch Arzneimittel verursacht werden, meist gut erholen, wenn die Behandlung dementsprechend angepasst wird.[1]

 

Regelmäßige Überwachung der Leberenzymwerte ist wichtig

Die Untersuchung der „Leberwerte“ kann bei Leberschädigungen Hinweise auf Art und Ausmaß der Erkrankung geben. Gemessen wird die Konzentration bestimmter Enzyme, die sich in den Leberzellen befinden und – wenn diese Zellen geschädigt werden- vermehrt freigesetzt werden. Eine erhöhte Konzentration dieser Enzyme lässt sich dann im Blut des Patienten messen.

Zu den Leberenzymen gehören die sogenannten Transaminasen oder Transferasen:

  • GOT = AST = ASAT = Glutamat-Oxalacetat-Transaminase / Aspartat-Aminotransferase
  • GPT = ALT = ALAT = Glutamat-Pyruvat-Transaminase / Alanin-Aminotransferase

Außerdem die:

  • Gamma-GT = Gamma-Glutamyl-Transferase und die
  • AP = Alkalische Phosphatase

Die Gamma-GT ist der empfindlichste Indikator für Schäden der Leberzellen und des Gallengangsystems.[1,2]

Bei der medikamentösen Behandlung des Morbus Cushing sollten vor allem zu Beginn der Behandlung die Leberwerte kontrolliert werden.

 

Nebennieren − wichtige Hormondrüsen im menschlichen Körper

Die Nebennieren sitzen jeweils wie eine kleine Kappe dem oberen Ende der Nieren auf. Jede Nebenniere ist von einer Kapsel umgeben und besteht aus der außen liegenden Nebennierenrinde und dem inneren Nebennierenmark. [3,4]

Die Hauptaufgabe der Nebennieren liegt in der Herstellung und Freisetzung verschiedener Hormone. Das Nebennierenmark produziert die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Die Nebennierenrinde ist für die Herstellung von Aldosteron und Sexualhormonen (Androgenen) sowie für Kortisol zuständig. [3,4]

Die Kortisolproduktion in der Nebennierenrinde unterliegt einem komplexen Regelkreis, der bei Morbus Cushing durch einen Tumor der Hirnanhangdrüse gestört ist. Dieser bildet das Hormon ACTH, das die Nebennieren anregt, Kortisol im Überschuss zu produzieren und freizusetzen.

 

Medikamente können zu Kortisolmangel führen

Arzneimittel, die gegen Morbus Cushing eingesetzt werden, unterdrücken rasch und wirksam die vermehrte Bildung von ACTH und drosseln somit auch die Produktion von Kortisol in den Nebennieren. Dies kann dazu führen, dass die Konzentration des Kortisols im Körper so stark abnimmt, dass vorübergehend zu wenig davon im Blut vorhanden ist. In diesem Fall spricht man auch von einem „Hypokortisolismus“ (griech. hypo: unter, zu wenig) oder auch einer sogenannten Nebennierenrindeninsuffizienz (lat. insufficere: nicht ausreichen).

Typische Anzeichen dafür sind unter anderem Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen. Auch ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) und ein zu niedriger Blutzuckerwert (Hypoglykämie) sowie zu viel Kalium bzw. zu wenig Natrium im Blut können auf einen Kortisolmangel hinweisen. Patienten, die mit einem Medikament gegen Morbus Cushing behandelt werden, sollten daher regelmäßig auf solche Symptome hin überwacht werden. Dabei ist es wichtig, dass der Arzt die Patienten auch für die entsprechenden Anzeichen sensibilisiert.

Deuten Beschwerden auf einen Hypokortisolismus hin, kann der Arzt durch einen Blut- oder Urintest den Kortisolspiegel bestimmen und somit gegebenenfalls einen Kortisolmangel nachweisen. Bei Bedarf wird er dann die Medikamentendosis verringern bzw. die Behandlung unterbrechen, bis sich die Werte wieder normalisiert haben. Auch eine Therapie, bei der das fehlende Kortisol zeitweise ersetzt wird, ist möglich.

 

Kontrolluntersuchungen wahrnehmen

Es ist also wichtig, dass bei Patienten mit Morbus Cushing regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Dadurch kann der Arzt den Krankheitsverlauf und damit den Erfolg der Behandlung ständig überprüfen, aber auch unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln rechtzeitig erkennen und wenn nötig gegensteuern.

Quellen:
[1] Apotheken-Umschau. Die Leber: Energielieferant und Entgifter (zuletzt besucht am 15.08.2013). http://www.apotheken-umschau.de/Leber
[2] DocCheck-Flexikon. Leber (zuletzt besucht am 15.08.2013). http://flexikon.doccheck.com/de/Leber#Leberenzyme
[3] Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Nebenniere (zuletzt besucht am 16.08.2013). http://www.internisten-im-netz.de/de_nebenniere_459.html#Nebennierenmark
[4] DocCheck-Flexikon. Nebenniere (zuletzt besucht am 16.08.2013). http://flexikon.doccheck.com/de/Nebennieren
Autor: Stefan Oetzel
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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