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Medikamente bei Morbus Cushing: Nebenwirkungen verstehen

Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B. bei Morbus Cushing, werden heute gut verstanden. Durch gezielte Verlaufskontrollen können sie daher frühzeitig erkannt und vermieden oder Beschwerden gelindert werden.

Medikamente bei Morbus Cushing: Nebenwirkungen verstehenBeim Morbus Cushing führt ein Tumor der Hirnanhangdrüse dazu, dass die Nebennieren das Hormon Kortisol im Übermaß bilden. Zur Behandlung werden – neben Operation und Strahlentherapie – auch Medikamente wie z. B. Somatostatin-Analoga eingesetzt. All diese Behandlungen bieten Chancen, haben aber auch Risiken oder Nebenwirkungen.

Während Operationsrisiken wie z. B. die Möglichkeit einer Blutung häufig gut nachvollziehbar sind, erscheinen bei Medikamenten viele Nebenwirkungen auf den ersten Blick unerklärlich: Was hat eine Tablette mit dem Herzrhythmus zu tun? Warum verursacht eine Spritze Übelkeit? Den Weg eines Medikaments im Körper und damit die Ursache solcher Nebenwirkungen zu kennen, hilft Ängste abzubauen und die Behandlung gemeinsam mit dem Arzt effektiv zu gestalten.

 

Medikamente legen einen langen Weg im Körper zurück

Fast alle Arzneimittel rufen nicht nur die gewünschte Wirkung hervor, sondern haben darüber hinaus Nebenwirkungen. Dabei können unter Umständen ganz andere Bereiche des Körpers betroffen sein [1]. Das liegt daran, dass Medikamente einen langen Weg im Körper zurücklegen.

Aus Tabletten wird der Wirkstoff über den Magen oder Darm aufgenommen [2]. Bei Spritzen muss das Medikament erst durch verschiedene Haut- und Gewebeschichten hindurch, bis es im Blut ankommt. Mit dem Blut verteilt sich das Medikament dann im ganzen Körper [2].

Nach einer bestimmten Zeit, die für jedes Medikament anders ist, wird es in seine chemischen Einzelteile zerlegt (abgebaut) und dadurch unwirksam. Was vom Körper nicht wiederverwendet werden kann, wird ausgeschieden. Hauptsächlich an diesen Vorgängen beteiligt sind Leber und Nieren. Über den Urin bzw. den Darm gelangen die Abfallstoffe nach draußen. [2]

 

Nebenwirkungen verstehen

Führt man sich den Weg eines Medikaments vor Augen, lassen sich viele der Nebenwirkungen erklären. Wird ein Medikament z. B. durch die Leber oder die Nieren ausgeschieden, müssen diese Organe plötzlich mehr als gewohnt arbeiten. Anhand von Werten, die regelmäßig im Blut gemessen werden, kann der Arzt sehen, ob die Organe dieser Aufgabe gewachsen sind.

Wenn der Wirkstoff über den Magen oder den Darm aus einer Tablette aufgenommen wird, ist es naheliegend, dass Magenschmerzen oder Durchfall zu den möglichen Nebenwirkungen gehören. Was aber ist mit scheinbar zusammenhanglosen Nebenwirkungen wie Übelkeit nach einer Spritze?

Auch für viele solcher Nebenwirkungen kennt die Wissenschaft heute den Grund. Übelkeit z. B. führt man gewohnheitsmäßig auf den Magen oder den Darm zurück, aber letztlich ist es eine Empfindung, die im Gehirn entsteht. Ein Gefühl der Übelkeit kann daher auch von bestimmten Medikamenten direkt am Gehirn oder schon durch eine leichte Änderung des Flüssigkeitshaushaltes bewirkt werden.

 

Ihr Arzt weiß über Nebenwirkungen Bescheid

Der Weg eines Medikamentes und seine Wirkung auf die verschiedensten Bereiche des Körpers werden in vielen Studien sorgfältig untersucht, bevor ein Medikament zugelassen wird [2]. Zwar sind die Nebenwirkungen beim Einzelnen noch nicht vorhersehbar – Ihr Arzt weiß aber recht genau, weshalb und welche Nebenwirkungen auftreten können. Er kann gut einschätzen, welche Nebenwirkungen ernsthafte Folgen nach sich ziehen können und welche zwar unangenehm, aber in der Regel nicht besorgniserregend sind.

Durch entsprechende Verlaufskontrollen können selbst viele ungewöhnliche oder seltene Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden. So können dauerhafte Schäden vermieden oder unangenehme Begleiteffekte gelindert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt auch über ungewöhnliche Beschwerden. Er kann ihnen weiter nachgehen oder Ihnen die Ursache erklären.

 

Welche Organe sind am häufigsten betroffen?

Jedes Medikament hat andere Nebenwirkungen. Häufig betroffen sind der Magen-Darm-Trakt sowie Herz, Leber, Nieren und Haut. Beispiele für mögliche Beschwerden in diesen Bereichen sind:

  • Durchfall, Übelkeit
  • Veränderungen des Herzrhythmus
  • Erhöhung der Leber- oder Nierenwerte
  • Hautreaktionen (Rötung an Injektionsstellen)

Neben solchen Nebenwirkungen, die bei vielen Medikamenten zu finden sind, gibt es seltenere wie z. B. Gallensteine oder die Beeinflussung des Blutzuckerspiegels.

 

Was bedeutet das für mich als Patient?

Es gibt vermutlich kein wirksames Arzneimittel, das nicht auch irgendwelche Nebenwirkungen verursacht. Dies gilt auch für die medikamentöse Therapie des Morbus Cushing. Die mit der Behandlung verbunden Beschwerden treten jedoch nicht unvorbereitet auf, sondern sind in aller Regel erklärbar und wurden auch bereits in zahlreichen Studien untersucht.

Durch regelmäßige Verlaufskontrollen und entsprechende Gegenmaßnahmen lassen sich solche unerwünschten Wirkungen häufig vermeiden oder rechtzeitig erkennen und gegebenenfalls wirksam bekämpfen. Auch Untersuchungen, die auf den ersten Blick vielleicht unsinnig erscheinen, haben daher in der Regel einen guten Grund. Wenn Ihnen dennoch bestimmte Maßnahmen im Rahmen der Behandlung unklar oder unangenehm sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Quellen:
[1] Lüllmann H et al. Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen- Medikamente gezielt einsetzen; ein Lehrbuch für Studierende der Medizin, der Pharmazie und der Biowissenschaften, eine Informationsquelle für Ärzte, Apotheker und Gesundheitspolitiker. Georg Thieme Verlag; 2006.
[2] Wehling M.: Klinische Pharmakologie. Georg Thieme Verlag; 2005.
Autor: Stefan Oetzel
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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