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Morbus Cushing – Behalten Sie Ihre Blutzuckerwerte im Blick

Morbus Cushing-Patienten sollten unter medikamentöser Therapie auf ihre Blutzuckerwerte achten. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Blutzucker kontrollieren können und welche Werte wichtig sind.

Morbus Cushing – Behalten Sie Ihre Blutzuckerwerte im Blick Beim Morbus Cushing liegt ein – in der Regel gutartiger – Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) vor. Dieser führt zu erhöhten Hormonspiegeln von ACTH und Kortisol [1]. Kortisol fördert unter anderem die Herstellung von Traubenzucker (Glukose) in der Leber und erhöht so den Blutzuckerspiegel. Ein dauerhafter Überschuss von Kortisol verursacht bei etwa 30 % aller Patienten im Laufe ihrer Erkrankung eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Ein aus anderen Gründen bereits bestehender Diabetes kann sich durch das erhöhte Kortisol verschlechtern. [2]

 

Einfluss von Medikamenten auf den Blutzuckerspiegel

Kann der Tumor durch eine Operation nicht oder nicht ganz entfernt werden, kommt stattdessen oder ergänzend eine Behandlung mit Medikamenten in Frage. Solche Medikamente haben beispielsweise zum Ziel, den Kortisolspiegel zu senken und dadurch die Beschwerden des Morbus Cushings zu lindern.

Paradoxerweise kann der Blutzuckerspiegel in einigen Fällen aber unter der Behandlung mit Medikamenten ansteigen obwohl der Kortisolspiegel niedrig ist. Dies ist der Fall, wenn die Medikamente andere Hormone behindern, die wie Kortisol den Blutzuckerspiegel senken.

Aus diesen Gründen kann es beim Morbus Cushing erforderlich sein, dass Sie Ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren [3]. Ihr Arzt wird Sie darauf hinweisen.

 

Blutzucker – lebenswichtiger Stoff für unsere Körperzellen

Traubenzucker wird von den Zellen des Körpers als Energielieferant benötigt. Nach der Nahrungsaufnahme transportiert das Blut den Zucker von den Verdauungsorganen zu den Körperzellen. Die Zuckermenge, die sich im Blut befindet, wird auch als „Blutzuckerspiegel" bezeichnet.

Die Höhe des Blutzuckerspiegels wird durch zwei Hormone geregelt, die in der Bauchspeicheldrüse hergestellt werden. Nach einer Mahlzeit wird das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut ausgeschüttet. Insulin bewirkt, dass der Blutzucker in die Körperzellen aufgenommen wird. So wird der Blutzuckerspiegel gesenkt. Das zweite Hormon ist das Glukagon, welches als Gegenspieler des Insulins dafür sorgt, dass der Blutzuckerspiegel steigt, wenn er zu niedrig ist. [4]

 

Die Selbstmessung des Blutzuckerspiegels – ein einfaches Verfahren

Wenn Sie Medikamente erhalten, die einen Diabetes verursachen können, können Sie durch Selbstmessungen dazu beitragen, Ihren Blutzucker zu überwachen. Wenn Sie bereits eine Diabetes-Therapie erhalten, hilft die regelmäßige Selbstkontrolle dabei, zu hohe und zu tiefe Werte zu vermeiden und Folgekrankheiten vorzubeugen. Denn eine gute Blutzucker-Einstellung ist die Basis jeder Diabetes-Therapie. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie oft Sie die Messung durchführen sollen.

Bei der Blutzuckermessung wird die Menge an Zucker im Blut ermittelt. Die Messung geht einfach und schnell und wird in der Regel mit einem Blutzuckermessgerät und zugehörigem Teststreifen durchgeführt. Durch einen kleinen Stich in die Fingerkuppe wird ein Blutstropfen gewonnen und auf den Teststreifen getupft. Das Messgerät wertet die Probe auf dem Teststreifen aus und zeigt Ihnen den Blutzuckerwert an. Der Blutzuckerwert wird in der Einheit mg/dl (Beispiel: 120 mg/dl = 0,12 % = 1,2 Promille Zucker im Blut) oder mmol/l (Tausendstel Mol pro Liter) gemessen [4, 5]

 

Die Messung des Blutzuckerspiegels – Schwankungen sind normal

Wenn Sie Ihren Blutzuckerspiegel zu Hause messen, ist dies eine Momentaufnahme. Der Wert hängt z. B. davon ab, was Sie gegessen oder getrunken oder ob Sie sich sportlich betätigt haben. Auch Ihre persönliche Tagesform (z. B. ob Sie im Stress oder krank sind) kann die Werte beeinflussen. [4]

Außerdem kann es zwischen den einzelnen Messungen zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels kommen, die bei den Einzelmessungen nicht erfasst werden. Deshalb kann es sein, dass Ihr Blutzuckerspiegel im Durchschnitt zu hoch ist, auch wenn die von Ihnen gemessenen Werte vielleicht normal oder nur leicht erhöht sind. Um den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel zu erfassen, wird Ihr Arzt regelmäßig den sogenannten HbA1c-Wert ermitteln.

 

HbA1c – das Blutzuckergedächtnis

Zucker bindet im Blut an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin, abgekürzt Hb). Hämoglobin ist ein Bestandteil der roten Blutkörperchen. Die Stelle am Hämoglobin, an die der Zucker bindet, wird als HbA1c bezeichnet.

Je mehr Zucker im Blut kreist, desto mehr bindet an HbA1c. Beim langfristig erhöhten Blutzuckerspiegel des Diabetikers bleibt die Bindung des Zuckers dauerhaft bestehen, bis die roten Blutkörperchen mit dem Zucker nach bis zu drei Monaten abgebaut werden [6, 7].

Bei gesunden Menschen haben nur 4–6 % aller roten Blutkörperchen Zucker gebunden. Der HbA1c-Wert liegt daher normalerweise unter 5,7 % (entspricht 39 mmol/l, siehe Tabelle 1). Werte von 6,5 % (48 mmol/l) und höher weisen darauf hin, dass der Blutzuckerspiegel in den letzten drei Monaten im Durchschnitt zu hoch war. Der HbA1c-Wert wird daher auch als "Blutzuckergedächtnis" bezeichnet [6].

Die Messung des HbA1c-Wertes wird anhand einer Blutprobe im Labor durchgeführt und in der Regel alle drei Monate bestimmt [8]. Die Zeitabstände werden jedoch an Ihre individuelle Situation angepasst. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wie oft der HbA1c-Wert bei Ihnen bestimmt werden sollte.

 

Messung des Blutzuckers beim nüchternen Patienten

Ein weiterer wichtiger Kontrollwert ist der Blutzuckergehalt des nüchternen Patienten. Man spricht dabei auch von der Nüchternplasmaglukose oder kurz der FPG (Fasting Plas­ma Glucose) [9]. Nüchtern bedeutet, dass Sie mindestens acht Stunden nichts mehr gegessen und keine zuckerhaltigen Getränke zu sich genommen haben.

Isst ein Mensch mehrere Stunden nichts, produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Glukagon. Dieses Hormon wirkt, indem es Zucker aus den Zuckerspeichern der Leber freisetzt und die Zuckerneubildung in der Leber anregt. Der gewonnene Zucker wird in den Blutkreislauf abgegeben. Ein gesunder Mensch reagiert auf diesen erhöhten Zuckerspiegel im Blut mit der Produktion von Insulin, um eine Überzuckerung (Hyperglykämie) zu verhindern. Ist diese Reaktion gestört, z. B. durch hormonelle Erkrankungen wie Morbus Cushing, bleibt der Nüchtern-Blutzuckerspiegel hoch.

Werte von weniger als 100 mg/dl werden als normal angesehen (siehe Tabelle 1). Blutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten als grenzwertig, bei Blutzuckerwerten über 126 mg/dl spricht man von einem Diabetes [7, 10].

Unter medikamentöser Behandlung eines Morbus Cushing wird die Nüchtern-Blutzucker regelmäßig kontrolliert. Sie können Ihren ihn in Absprache mit Ihrem Arzt auch selbst messen. Wenn Sie Ihren Nüchtern-Blutzucker selbst messen, ist es günstig, morgens direkt nach dem Aufstehen zu messen.

 

Messung durch Ihren Arzt Normale Werte Verdacht auf Diabetes Diabetes mellitus
HbA1c < 39 mmol/l 39 bis < 48 mmol/l ≥ 48 mmol/l

Messung mit Ihrem
Blutzuckermessgerät

Normale Werte
Verdacht auf Diabetes
Diabetes mellitus
Blutzucker während des Tages Der Wert ist unterschiedlich und hängt z. B. davon ab, was Sie gerade gegessen oder getrunken oder ob Sie sich sportlich betätigt haben.
Nüchternplasma-glukose (mindestens 8 Stunden ohne Nahrung oder zucker­haltige Getränke; Angabe als Plasmawert) < 100 mg/dl
< 5,6 mmol/l

100 bis 125 mg/dl
5,6 bis 6,9 mmol/l

≥ 126 mg/dl
≥ 7,0 mmol/l

Tab. 1: Wichtigste Verfahren zur Blutzuckerkontrolle und Standardwerte [10]. Der HbA1c-Wert wird in der Regel in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben, der Blutzuckerwert in der Einheit Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l).

 

Unterzuckerung – wichtig zu wissen

Von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) spricht man bei Blutzuckerwerten von weniger als 39 mmol/l, die Grenzen sind jedoch individuell verschieden [8, 11]. Eine Unterzuckerung kann z. B. durch einen Insulin-Überschuss im Rahmen der Diabetes-Therapie entstehen. Weitere häufige Gründe sind das Auslassen einer Mahlzeit und körperliche Anstrengung. Auch Medikamente zur Behandlung des Morbus Cushing können, wenn sie eine rasche Abnahme des Kortisolspiegels bewirken, manchmal zu einer vorübergehenden Unterzuckerung führen.

Eine leichte Unterzuckerung lässt sich in der Regel bereits mit der Einnahme von ein bis zwei Stück Traubenzucker in den Griff bekommen; eine schwere Unterzuckerung hingegen erfordert sofortige ärztliche Behandlung. [12]

 

Wenn Sie Ihren Blutzucker selbst messen – ein kurzer Hinweis

Fragen Sie Ihren Arzt, ob sich Ihre vereinbarten Blutzucker-Zielwerte auf Plasma oder Vollblut beziehen. Prüfen Sie dann, ob Ihr Messgerät den Blutzuckergehalt im Plasma oder im Vollblut anzeigt. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn der Vollblutwert liegt etwa 10 bis 15 Prozent unter dem Plasmawert. [14, 15]

 

Führen Sie ein Blutzucker-Tagebuch

Die gemessenen Blutzuckerwerte können Sie in ein persönliches Blutzucker-Tagebuch eintragen. Fragen Sie Ihren Arzt, wann und wie häufig Sie Ihren Blutzucker messen sollen. Auch eingenommene Medikamente können Sie dort notieren. Es ist auch ratsam, Dinge wie körperliche Aktivitäten oder Krankheiten in das Tagebuch einzutragen, sowie eventuelle Über- oder Unterzuckerung. Das Buch gibt Ihnen und Ihrem Arzt einen besseren Überblick. Sie gewinnen mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung und erfahren, wie Ihr Körper reagiert und können auch sportliche Aktivitäten oder Unternehmungen mit einem besseren Gefühl planen. Das Tagebuch können Sie Ihrem Arzt ausgefüllt vorlegen. Dieser kann so die Therapie gemeinsam mit Ihnen besser abstimmen. Tagebücher können häufig im Internet kostenlos heruntergeladen werden. [13]

Quellen:
[1] http://www.glandula-online.de/broschueren/brosch/b_cus.htm, zuletzt besucht am 10.02.2013
[2] http://www.medizinfo.de/endokrinologie/hypo/cushing.htm, zuletzt besucht am 29.02.2013
[3] http://www.medicoconsult.de/wiki/Diabetes_mellitus_Therapiegrundlagen, zuletzt besucht am 29.02.2013
[4] Deutscher Diabetiker Bund e. V.: Diabetes auf den Punkt gebracht, Jubiläumsausgabe September 2011
[5] http://www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/Blutzuckermessung-und-Blutzucke-670.html, zuletzt besucht am 13.02.2013.
[6] http://www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/HbA1c-Wert-10799.html, zuletzt besucht am 13.02.2013.
[7] http://www.diabetes-ratgeber.net/Blutzucker/Blutzuckerwert-58404.html, zuletzt besucht am 13.03.2013.
[8] Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinien Therapie des Typ-1-Diabetes – Version 1.0, September 2011
[9] http://www.gesundheits-lexikon.com/La bormedizin-Labordiagnostik/Glukosestoffwechsel/Nuechternblutzucker.html, zuletzt besucht am 13.02.2013.
[10] Kerner W, Brückel J. Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. Diabetologie 2012; 7: S84-S87. http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Praxisleitlinien/2012/DuS_S2-12_Praxisempfehlungen_Kerner-Brueckel_S84-87.pdf
[11] http://www.medicoconsult.de/wiki/Hypoglyk%C3%A4mie
[12] http://www.diabetes-deutschland.de/unterzuckerung.html
[13] http://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/fileadmin/DIABETESINFO/Service/Downloads/DID_Blutzuckertagebuch_121123.pdf
[14] DiabetesDE: Patienteninformation zum Vergleich der Messwerte von Blutzucker-Messgeräten mit Vollblut und Plasma-Kalibrierung, http://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/diabetesde_bezieht_stellung/diabetesde_informiert/ (zuletzt besucht am 08.04.13)
[15] http://www.diabetes-deutschland.de/news99.html (zuletzt besucht am 08.04.13)

Autor: Janine Fiering
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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