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Morbus Cushing: Ein Tumor macht starke Beschwerden

Beim Morbus Cushing führt ein Tumor der Hirnanhangdrüse dazu, dass das „Stresshormon“ Kortisol im Übermaß gebildet wird. Dies führt zu unterschiedlichsten Beschwerden, u.a. zu einer deutlichen Gewichtszunahme.

Gewichtszunahme, verminderte Leistungsfähigkeit, Zyklusstörungen bei der Frau, erhöhter Blutdruck. All das sind häufige Beschwerden, von denen viele Menschen betroffen sind. Morbus Cushing hingegen ist sehr selten. In Deutschland erkranken pro Jahr ca. 80-100 Personen daran. Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr, Frauen sind 5-mal häufiger betroffen als Männer.[1, 4] Dass sich die Erkrankung in Symptomen äußert, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können, lässt den Arzt nicht zuerst an einen Morbus Cushing denken. Die Diagnose wird deshalb oft erst spät gestellt.

 

Morbus Cushing oder Cushing-Syndrom – was ist der Unterschied?

Die Begriffe Morbus Cushing und Cushing-Syndrom werden oft nicht eindeutig voneinander getrennt und können leicht verwechselt werden. Vereinfacht kann man sagen, dass der Begriff Cushing-Syndrom das Krankheitsbild, Morbus Cushing einen bestimmten Entstehungsmechanismus der Erkrankung beschreibt.

Das Cushing-Syndrom fasst alle Symptome zusammen, die durch einen Überschuss an dem Hormon Kortisol im Körper entstehen. Hierbei spielt es zunächst keine Rolle, wodurch der Kortisolüberschuss entstanden ist. Von einem Morbus Cushing spricht man nur bei einer bestimmten Form des Cushing-Syndroms; nämlich dann, wenn ein hormonproduzierender Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Ursache ist. In 70 % der Fälle ist ein solcher Hypophysentumor bei Morbus Cushing für ein Cushing-Syndrom verantwortlich. [1]

Der Begriff Morbus Cushing leitet sich von dem lateinischen Wort "Morbus" für Krankheit ab. Cushing (gesprochen: Kusching) ist der Name eines amerikanischen Neurologen (Harvey Williams Cushing, geb. 1869), der die Krankheit zuerst beschrieben hat.

 

Ein meist gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse stimuliert die Nebennieren

Der medizinische Fachbegriff Hypophysärer Hyperkortisolismus für den Morbus Cushing gibt sehr genau wieder, welcher Mechanismus der Erkrankung zugrunde liegt. Er ist aber für den medizinischen Laien schwer verständlich. Hyperkortisolismus beschreibt das Cushing-Syndrom, also den Überschuss an Kortisol (griech.: hyper = über das Maß hinaus), der zu verschiedensten Symptomen führt. Hypophysär weist auf den Ursprung der Erkrankung in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) hin. Ein meist gutartiger Tumor bildet ein Hormon (ACTH), das die Nebennieren zur Bildung von Kortisol anregt. Gutartig heißt, dass der Tumor keine Tochtergeschwülste (Metastasen) bildet.

 

Die Hormone regulieren sich gegenseitig

Kortisol wird in den Nebennieren gebildet, genauer gesagt, in der Nebennierenrinde (von lat. cortex = Rinde) Die Nebennieren sitzen den Nieren am oberen Pol wie kleine Kappen auf.

Die Kortisolproduktion unterliegt einem komplexen Regelkreis, an dem neben der Hirnanhangdrüse und den Nebennieren auch noch der Hypothalamus beteiligt ist. Der Hypothalamus ist ein Gehirnanteil oberhalb der Hirnanhangdrüse, der als übergeordnete Steuerzentrale des Hormonhaushaltes gilt. Beim Gesunden funktioniert dieser Regelkreis folgendermaßen (s. Abb.):

  • Im Hypothalamus wird CRH (Corticotropin-releasing Hormon; releasing = engl. freisetzend) freigesetzt
  • CRH stimuliert in der Hypophyse die Freisetzung von ACTH (Adrenokortikotropes Hormon = Korticotropin)
  • ACTH stimuliert in der Nebennierenrinde die Freisetzung von Kortisol
  • Kortisol reguliert über einen Rückkopplungsmechanismus die Freisetzung von CRH und ACTH

 

Cortisolproduktion

 

Kortisol mobilisiert Reserven bei Stress

Beim Morbus Cushing setzt nun ein Tumor der Hirnanhangdrüse vermehrt ACTH frei. Dies führt dazu, dass in den Nebennieren immer mehr Kortisol produziert wird. Kortisol wirkt auch beim Gesunden als sogenanntes "Stresshormon". Es gehört zu seinen Hauptaufgaben, in Zeiten höherer Beanspruchung Energiereserven bereitzustellen. Um dies zu gewährleisten, nimmt Kortisol Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper. Dazu gehören z. B. der Stoffwechsel von Fett- und Muskelzellen und der Blutzuckerspiegel. In hohen Dosen wirkt Kortisol entzündungshemmend und unterdrückt die Immunabwehr. Deshalb wird synthetisch hergestelltes Kortisol ("Kortison") z. B. bei entzündlichen Erkrankungen und Allergien eingesetzt.

Die Überproduktion von Kortisol beim Morbus Cushing verstärkt die Stoffwechselwirkungen und kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen.

 

Symptome beim Morbus Cushing

Zu den häufigsten Symptomen beim Morbus Cushing gehören:

  • Starke Gewichtszunahme mit "Stammfettsucht": Fettansatz v. a. am Körperstamm (= in der Körpermitte, am Bauch)
  • Rundes "Vollmondgesicht"
  • Muskelschwund: sehr dünne Arme und Beine, Muskelschwäche
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Bläulich-rote Streifen am Körperstamm, breiter als 1 cm (Dehnungsstreifen)
  • Stärkere Blutungsneigung, v.a. "blaue Flecken" der Haut
  • Vermehrte Behaarung (v.a. bei Frauen)
  • Zyklusstörungen
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Bluthochdruck
  • Anstieg des Blutzuckers
  • Psychische Probleme, z. B. Depressionen

Nicht all diese Symptome müssen immer vorhanden sein; sie können von Patient zu Patient in unterschiedlicher Aufprägung auftreten.

 

Diagnose und Behandlung des Morbus Cushing

Bei Verdacht auf Morbus Cushing kann durch Laboruntersuchungen die Konzentration der verschiedenen Hormone aus Hirnanhangdrüse, Hypothalamus und Nebennierenrinde bestimmt werden. Um einen Tumor der Hirnanhangdrüse nachzuweisen, werden bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT)und Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt.

Ist die Diagnose gesichert, stehen zur Behandlung folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Medikamente
Quellen:
[1] Stalla: Therapieleitfaden Hypophysenerkrankungen, Uni-med-Science Verlag, 2. Auflage, 2006
[2] Herold: Innere Medizin, 2010
[3] Gekle et al: Taschenlehrbuch Physiologie, Thieme Verlag, 2010
[4] Homepage des Netzwerks Hypophysen-und Nebennierenerkrankungen
Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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