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Cushing-Syndrom und Morbus Cushing

Cushing-Syndrom und Morbus Cushing – zwei Begriffe, die leicht zu verwechseln sind. Was diese Begriffe bedeuten, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Cushing-Syndrom und Morbus CushingCushing-Syndrom, Morbus Cushing, Cushing-Erkrankung, zentrales Cushing-Syndrom – viele ähnliche Bezeichnungen, bei denen nicht nur Patienten und Angehörige leicht den Überblick verlieren. Allen gemeinsam ist ein erhöhter Spiegel des Hormons Kortisol. Häufig fallen in diesem Zusammenhang aber auch die Worte Kortison oder Glukokortikoide: Bedeuten diese Wörter dasselbe?
Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick darüber, wo die Begriffe miteinander zusammenhängen und wo sie sich unterscheiden.

 

Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus) – zu viel Kortisol im Körper

Unter den Begriff Cushing-Syndrom fallen alle Patienten, bei denen über einen längeren Zeitraum zu viel Kortisol im Körper vorhanden ist. Daher wird auch häufig der Begriff Hyperkortisolismus (griech. hyper = über) verwendet [5]. Kortisol ist ein Hormon, welches viele verschiedene Vorgänge im Körper gleichzeitig beeinflusst. Im Überschuss verursacht es die typischen Beschwerden [2, 4] des Cushing-Syndroms.

Ein Cushing-Syndrom kann aber ganz verschiedene Ursachen haben. Es kann z. B. dadurch entstehen, dass dem Körper von außen Kortisol zugeführt wird. Dies ist bei manchen entzündlichen Erkrankungen, wie z. B. Rheuma, Asthma oder multipler Sklerose erforderlich. Ab einer bestimmten Dosis (sogenannte Cushing-Schwelle) besteht ein erhöhtes Risiko, die Symptome eines Cushing-Syndroms zu entwickeln [6]. Der Schwellenwert liegt bei etwa 7,5–10 mg pro Tag [6]. Andere Ursachen sind Tumoren der Nebennieren oder ein Tumor der Hirnanhangdrüse.

 

Morbus Cushing ist die häufigste Ursache eines Cushing-Syndroms

Bei 70 % aller Patienten mit Cushing-Syndrom ist ein – in der Regel gutartiger – Tumor der Hirnanhangdrüse Ursache des erhöhten Kortisolspiegels [4]. Die Zellen dieses Tumors bilden vermehrt ACTH, welches in den Nebennieren die Bildung von Kortisol im Überschuss veranlasst. Diese spezielle Ursache des Hyperkortisolismus wird als Morbus Cushing (M. Cushing) bezeichnet. Der Name setzt sich aus „Morbus“, dem lateinischen Wort für Krankheit, und „Cushing“ (gesprochen Kusching) zusammen. Dies war der Name des amerikanischen Neurologen Harvey William Cushing (1869-1939), der die Krankheit als Erster beschrieben hat. Andere gebräuchliche Begriffe für diese Erkrankung sind Zentrales Cushing-Syndrom, Cushing-Erkrankung oder Cushing-Krankheit [8].

Die Diagnose des Morbus Cushing erfolgt z. B. durch allgemeine und spezifische Blutuntersuchungen sowie bildgebende Verfahren wie z. B. die Magnetresonanztomographie (MRT).

Bei der Behandlung des Morbus Cushing wird in erster Linie eine operative Entfernung des Hypophysentumors angestrebt. Ist dies nicht möglich, gibt es aber auch andere Behandlungsmöglichkeiten, wie z. B. eine medikamentöse Therapie oder eine Bestrahlung. Die medikamentöse Therapie senkt das Kortisol im Blut und kann so auch die Symptome des M. Cushing lindern und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

 

Kortisol – ein Hormon aus der Nebenniere

Die Nebennieren sind zwei kleine, etwa 4 bis 5 g schwere Hormondrüsen. Sie sitzen den Nieren am oberen Pol halbmondförmig auf, haben aber mit der Niere selbst oder deren Ausscheidungsfunktion nichts zu tun [1]. Die Nebennieren bestehen aus einem inneren Anteil (Nebennierenmark) und einem äußeren Anteil (Nebennierenrinde). Die Zellen der Nebennierenrinde bilden Hormone, die als Glukokortikoide bezeichnet werden [2]. Der Name leitet sich aus dem lateinischen Wort für Rinde (Cortex) und dem griechischen Wort für Zucker (Glucose) ab und kommt daher, dass diese Hormone vor allem den Zuckerstoffwechsel beeinflussen [1].

Das wichtigste Glukokortikoid im menschlichen Körper ist das sogenannte Stresshormon Kortisol. Es beeinflusst den Zuckerstoffwechsel und Kreislauffunktionen wie den Blutdruck, wirkt aber auch entzündungshemmend und anti-allergisch. Diese Wirkungen macht sich der Mensch schon seit Langem zunutze, indem er künstlich hergestellte Stoffe zur Behandlung von Krankheiten verwendet. Fälschlicherweise schrieben Forscher die Wirkung jedoch zunächst der inaktiven Vorstufe des Kortisols, dem Kortison, zu [6]. Aus diesem Grund spricht man auch heute im Volksmund noch von Kortison.

Steuerung der Kortisol-Bildung

Abb. 1: Steuerung der Kortisol-Bildung

 

Die Kortisolbildung wird vom Gehirn gesteuert

Die Bildung von Kortisol in der Nebennierenrinde wird durch das Gehirn, genauer gesagt durch zwei Teile des Gehirns, gesteuert: dem Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Ist zu wenig Kortisol im Blut vorhanden, löst dies im Hypothalamus eine vermehrte Bildung von CRH (Corticotropin Releasing Hormone) aus. Dieses bewirkt in der Hypophyse die vermehrte Ausschüttung von ACTH (AdrenoCorticoTropes Hormon), welches wiederum in der Nebennierenrinde für eine vermehrte Bildung und Ausschüttung von Kortisol sorgt. Der Kortisolspiegel im Blut regelt über einen Rückkopplungsmechanismus, die Bildung von CRH und ACTH, sodass sich – beim gesunden Menschen – ein Gleichgewicht einstellt. [3]

Quellen:
[1] http://nebenniere.de/?page_id=195 (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[2] http://www.pituitarysociety.org/patient-education/pituitary-disorders/cushings/symptoms-of-cushings-disease-and-cushings-syndrome (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[3] http://www.medizinfo.de/endokrinologie/anatomie/nebennieren.htm (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[4] http://www.glandula-online.de/fileadmin/krankheitsbilder_broschueren/Cushing.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[5] http://www.medizinfo.de/endokrinologie/hypo/cushing.htm (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[6] http://www.internisten-im-netz.de/de_kortison_1583.html (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[8] http://www.endokrinologie.net/cushing-syndrom.php (zuletzt besucht am 05.12.2017)

Autorin: Dr. med. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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