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Lebensqualität gehört auch zur Nachsorge

Regelmäßige Verlaufskontrollen als Chance wahrnehmen

Nachsorge oder Verlaufskontrollen sind für Patienten mit Krebserkrankungen häufig angstbesetzte Begriffe. Dabei können sie auch Sicherheit geben und eine wertvolle Stütze im Leben mit der Erkrankung sein.

Dank moderner Behandlungsverfahren bestehen bei vielen Krebserkrankungen heute gute Chancen auf eine Heilung. [1] Danach würden Patienten den Krankenhäusern und Ärzten am liebsten für immer den Rücken zudrehen. Nicht viel anders geht es Patienten bei denen der Krebs zwar nicht geheilt, aber durch Medikamente doch dauerhaft kontrolliert werden kann. Erforderliche Untersuchungen zur Nachsorge oder Verlaufskontrolle können Angst und Ablehnung auslösen [2].

Auftretende medizinische Probleme sind jedoch in der Regel besser behandelbar, je früher sie erkannt werden. Das wiederum bedeutet für den Patienten eine raschere Rückkehr in den Alltag. Wenn es gelingt, Ängste und Befürchtungen abzubauen, können die Verlaufsuntersuchungen dem Patienten letztlich sogar eine gewisse Sicherheit geben. Zudem sollen die Untersuchungstermine die Gelegenheit bieten, Probleme rund um die Erkrankung mit dem Arzt zu besprechen. [3]

 

Gute Gründe für regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Die wichtigste Funktion regelmäßiger Kontrolluntersuchungen besteht darin, ein Fortschreiten der Erkrankung oder einen Rückfall möglichst früh zu bemerken. [3] Darüber hinaus erfüllen Verlaufsuntersuchungen aber noch weitere Zwecke. Der Krankheitsverlauf unter dauerhafter Medikamenteneinnahme kann kontrolliert und die Therapie wenn nötig angepasst werden. Bereits lange abgeschlossene Behandlungen, wie eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie können Nachwirkungen verursachen. Dies kann bei den Untersuchungen festgestellt werden.

Wenn Zweifel bestehen, ob die regelmäßigen Verlaufskontrollen tatsächlich notwendig sind, sollte das Gespräch mit dem Arzt gesucht werden. Manchmal gibt es wichtige Gründe, die für den Patienten nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Welche Untersuchungen in der Klinik, beim Facharzt oder beim Hausarzt durchgeführt werden können, ist im Einzelfall unterschiedlich. Dabei werden Faktoren berücksichtigt wie die bisherige Behandlung, der Allgemeinzustand und wie die Ärzte Ihre Erkrankung einschätzen. [8]

 

Verlaufskontrolle ist Teamarbeit

Während einer Krebsbehandlung hat ein Patient Kontakt mit vielen verschiedenen Ärzten. Hinzu kommen die Ärzte, die der Patient ganz unabhängig von seiner Krebserkrankung wegen anderer Beschwerden, z. B. wegen Rückenproblemen, aufsucht.

Regelmäßige Verlaufskontrollen als Chance wahrnehmenWichtig für die Kontrolluntersuchungen ist, dass der Patient möglichst einen konstanten Ansprechpartner hat. Je nach individueller Situation kann diese Aufgabe der Hausarzt übernehmen oder der jeweilige Spezialist für diese Erkrankung, z. B. ein Frauenarzt bei Brustkrebs oder ein Urologe bei Prostatakrebs. [3] Bei Krebserkrankungen des Blutsystems sind es meist so genannte Hämatoonkologen, die die Kontrolluntersuchungen durchführen. Der Betroffene sollte vorab eindeutig klären, an wen er sich wenden kann, wenn Beschwerden auftauchen oder wenn er Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung braucht. Auch am Wochenende. [8]

Von der Krebserkrankung müssen alle behandelnden Ärzte wissen. Rückenschmerzen könnten z. B. auch durch Krebsabsiedlungen im Knochen verursacht werden oder ein hoher Blutdruck kann die Nebenwirkung eines Medikaments sein.

Nachsorgeuntersuchungen oder Verlaufskontrollen im Rahmen einer Krebskrankheit sind daher Teamarbeit - der Patient ist dabei nicht nur Mittelpunkt, sondern auch selbst ein wichtiges Team-Mitglied.

 

Die Zeitabstände hängen von der Krankheit ab

Jede Krebserkrankung ist anders. Manche Tumoren, wie z. B. gastrointestinale Stromatumoren (GIST) wachsen über Jahre und bilden eher selten Absiedlungen. Andere dagegen wachsen sehr schnell oder verteilen sich früh über den ganzen Körper. Wieder andere Erkrankungen, wie z. B. die chronische myeloische Leukämie (CML), betreffen Zellen des Blutes und damit von Anfang an den ganzen Körper.

Jede Krebserkrankung und jedes Krankheitsstadium birgt unterschiedliche Risiken für einen Rückfall oder ein Fortschreiten der Erkrankung. Die Intervalle, in denen die Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, richten sich nach diesen individuellen Risiken. Für fast alle Tumorerkrankungen gibt es festgelegte Nachsorgepläne für einen bestimmten Zeitraum. [4] Meist sind die Untersuchungsintervalle am Anfang kürzer, z. B. zwei oder drei Monate. Je länger es nicht zu einem Rückfall kommt, desto geringer wird das Risiko und die Untersuchungsintervalle werden länger. [5] Bei vielen Krebsformen kann man nach zirka fünf bis zehn rückfallfreien Jahren davon ausgehen, dass der Krebs mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich besiegt ist [6]. Sprechen Sie Ihren Arzt auf Ihren individuellen Kontrollplan an. Zu wissen, was zu welchem Zeitpunkt auf Sie zukommt, trägt dazu bei, eventuell vorhandene Ängste abzubauen.

 

Festes Untersuchungsschema wird bedarfsgerecht ergänzt

Einige Elemente von Kontrolluntersuchungen sind bei den meisten Krebserkrankungen gleich. [4]

Das Gespräch: Im Mittelpunkt steht das Gespräch zwischen Arzt und Patient. [3] Hierbei wird der Arzt einige gezielte Fragen zum Befinden stellen. Es ist wichtig, dass Patienten dabei auch Beschwerden erwähnen, die sie vielleicht nicht in Zusammenhang mit der Erkrankung bringen. Müdigkeit oder Appetitlosigkeit beispielsweise können Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Eine Beratung durch den Arzt [3] oder eine Umstellung auf ein anderes Medikament können dann möglicherweise Abhilfe schaffen.

Das Gespräch soll dem Patienten auch besonders die Gelegenheit geben, Probleme oder Befürchtungen rund um die Erkrankung zu äußern. Bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber, Fragen zur Familienplanung oder Problemen bei Verrichtungen des Alltags kann der Arzt den Patienten in vielen Fällen unterstützen oder Anlaufstellen und Spezialisten empfehlen. Nehmen Patienten diese psychosoziale Unterstützung [4] an, können die Gespräche bei den Kontrolluntersuchungen Ängste und Unsicherheiten abbauen helfen, und zu einem besseren Leben mit der Erkrankung beitragen.

Die körperliche Untersuchung: Dem Gespräch folgt meist eine allgemeine körperliche Untersuchung. [4] Gewicht und Ernährungszustand sind ein guter Anhaltspunkt für das allgemeine Befinden - die Untersuchung der einzelnen Körperregionen kann Hinweise auf spezielle Organveränderungen, z. B. eine Vergrößerung der Leber, geben. Bei einigen Krebserkrankungen ist das Abtasten der Lymphknoten wichtig. Diese Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems gleichen kleinen Wachposten überall im Körper. Sie filtern Krankheitserreger aber auch Tumorzellen aus der Körperflüssigkeit (Lymphe). Vermehren sich die Tumorzellen in ihnen, werden sie größer und können durch die Haut getastet werde. Wesentlich häufiger stecken hinter vergrößerten Lymphknoten aber harmlose Gründe, wie z. B. Entzündungen. Daher wird ihr Arzt auffällige Lymphknoten meist durch ergänzende Untersuchungen abklären.

Blutuntersuchung: Eine Reihe an Standard-Blutwerten gibt dem Arzt Auskunft über die Funktion der einzelnen Organe. Daneben gibt es für einige Krebserkrankungen spezielle Werte, die ein Hinweis auf ein Fortschreiten oder Wiederauftreten der Erkrankung sein können. Bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) kommt es z. B. zu einer starken Vermehrung weißer Blutkörperchen. Nach erfolgreicher Behandlung sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen ab. Ein erneuter Anstieg kann ein früher Hinweis auf einen Rückfall bzw. ein Fortschreiten der Erkrankung sein.

Weitere Untersuchungen: Ob und welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind, ist von Krankheit zu Krankheit verschieden. Bei Krebserkrankungen, wie z. B. Darmkrebs, können sich Absiedlungen in der Lunge oder der Leber bilden. Um solche Absiedlungen frühzeitig zu erkennen, werden in regelmäßigen Abständen Röntgenaufnahmen der Lunge und Ultraschalluntersuchungen des Bauches durchgeführt.

Aufwändigere Untersuchungen: In regelmäßigen Abständen, oder bei auffälligen Ergebnissen, kann eine umfassendere Abklärung erforderlich sein. Die dafür notwendigen Geräte sind meist nicht in der Hausarzt-Praxis vorhanden. Daher wird der Patient hierfür an andere Fachärzte oder Kliniken verwiesen.

Der Nutzen aus ärztlichen Verlaufskontrollen ist dann besonders groß, wenn alle beteiligten Ärzte, aber auch Angehörige und Patienten sich als aktive Mitglieder eines Teams verstehen. [7] In einem offenen Gespräch lassen sich viele Ängste abbauen und Probleme lösen. Dann können Ihnen die Verlaufsuntersuchungen bei dem Arzt, der Sie auf dem Weg mit der Erkrankung oft schon eine lange Zeit begleitet hat, Sicherheit und Unterstützung bieten.

Quellen:
[1] http://www.blog.de/tb/a/r/schulmedizin/professionelle-betreuung-nach-krebs-wichtig/4868708/ (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[2] https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/006_0037.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[3] https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/brustkrebs/rehabilitation-nachsorge (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[4] http://www.kinderkrebsinfo.de/e9031/e10543/e13363/e63850/e86713/index_ger.html (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[5] https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/index.php (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[6] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/mit-der-krankheit-leben-lernen/articles/onko-internetportal-basis-informationen-krebs-leben-mit-krebs-alltag-mit-krebs-mit-der-krankheit-leben-lernen.html (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[7] http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/043_teamwork.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[8] http://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2012/news76.php (zuletzt besucht am 05.12.2017)

Autor: Dr. med. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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