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Krebs und Psyche

Morbus Cushing – Hormone und Psyche

Mit einem Tumor zu leben, ist eine Herausforderung für die Psyche. Dies gilt besonders für Krankheiten wie Morbus Cushing, bei der Hormone zusätzlich Denken und Fühlen durcheinander bringen.

Morbus Cushing – Hormone und PsycheDie Diagnose einer Tumorerkrankung wirft das Leben aus der Bahn. Dass es sich beim Morbus Cushing in 70 % aller Fälle um gutartige Geschwulst der Hirnanhangdrüse handelt, mindert die Angst meist nur wenig [1].

Hinzu kommt, dass das krankheitsbedingte hormonelle Ungleichgewicht direkt auf die Psyche wirkt. Gerade Patienten mit Morbus Cushing profitieren daher von einer frühzeitigen psychologischen Begleitung.

 

Schwere Krankheiten haben oft Auswirkungen auf die Psyche

Angst, Unsicherheit oder Verzweiflung sind natürliche Reaktionen auf die Diagnose einer schweren Erkrankung und gehören zum Prozess der Krankheitsverarbeitung [2]. Am Ende dieses Prozesses kann ein Patient stehen, der gelernt hat, sein Leben trotz der Erkrankung positiv und aktiv zu gestalten. Unter bestimmten Umständen können sich aber auch ernstzunehmende psychische Störungen wie z. B. Depressionen oder Angststörungen entwickeln.

Bei der Krankheitsverarbeitung kann eine psychologische Begleitung den Patienten unterstützen, dass es gar nicht erst zur Entwicklung psychischer Störungen kommt. Doch vielen Patienten fällt es schwer, über psychische Probleme zu sprechen. Für manche ist es ein Zeichen der Schwäche, zuzugeben, dass man nicht „alleine mit der Krankheit fertig wird“ [3]. Patienten neigen daher dazu, psychische Probleme lange Zeit herunterzuspielen und dem Arzt gegenüber gar nicht zu erwähnen.

 

Morbus Cushing: Hormone beeinflussen die Psyche

Bei Morbus Cushing kommt es zu einer Überproduktion von ACTH (adrenocorticotropes Hormon) in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Dieses Hormon regt die Nebennieren dazu an, mehr Kortisol in den Körper auszuschütten. Kortisol wiederum beeinflusst den ganzen Körper und ruft daher unterschiedlichste Symptome hervor. Gewichtszunahme und andere sichtbare körperliche Veränderungen wie ein „Mondgesicht“ oder der „Stiernacken“ führen häufig dazu, dass Betroffene sich in Gesellschaft unwohl fühlen. Dies allein stellt schon eine große seelische Belastung dar.

Darüber hinaus beeinflussen die Hormone aber auch direkt das Gehirn [3]. Untersuchungen zufolge entwickeln 50 bis 70 % der Patienten mit Morbus Cushing depressive Symptome [4]. Bei 10 % treten sogar Selbstmordgedanken auf und nahezu alle Patienten leiden unter Gedächtnisstörungen [4]. Gereiztheit, Aggressivität oder ungewohnte Gefühlsausbrüche erzeugen bei Patienten manchmal das Gefühl, gar nicht mehr man selbst zu sein [3].

Da bis zur Diagnose eines Morbus Cushing bis zu 5 Jahre vergehen können, haben viele Patienten zu diesem Zeitpunkt schon einen langen Leidensweg hinter sich. Gerade für Patienten mit Morbus Cushing ist daher das Angebot einer fachkundigen psychologischen Begleitung bereits vom Zeitpunkt der Diagnose an besonders wichtig.

 

Psychische Störungen bei Morbus Cushing behandeln

Psychische Symptome können sich schon dadurch bessern, dass der Morbus Cushing behandelt bzw. der Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht wird [3]. In der Regel ist jedoch eine ergänzende Behandlung notwendig.

Eine spezielle Therapie für psychische Störungen bei Morbus Cushing gibt es bisher nicht [3]. Stattdessen ist die Behandlung von Patient zu Patient verschieden und sollte immer durch einen Facharzt durchgeführt werden. Dies kann ein Neurologe, ein Psychologe oder ein Psychiater sein.

Grundsätzlich gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten, die entweder alleine oder kombiniert angewendet werden können:

Medikamentöse Therapie: Besonders bei Depressionen oder Angststörungen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Beschwerden bessern können [3]. Je nach Medikament kann es jedoch einige Tage bis Wochen dauern, bis die volle Wirkung eintritt. Auch nach Abklingen der Beschwerden ist es häufig erforderlich, die Medikamente noch über einen gewissen Zeitraum einzunehmen.

Verhaltenstherapie: Vom Zeitpunkt der Diagnose an bieten viele Krankenhäuser eine psychologische Begleitung bei der Krankheitsbewältigung. Darüber hinaus können weitere Verfahren bei individuellen Problemen helfen [3]:

  • Entspannungstechniken
  • Methoden zur Stressbewältigung
  • Aktivierung von Ressourcen und Fähigkeiten
  • Techniken zur Erkennung und Durchsetzung eigener Grenzen und Bedürfnisse (Nein-sagen lernen)
  • Verfahren zur Angstbewältigung

Bei der Behandlung von psychischen Störungen bei Morbus Cushing sollten nach Möglichkeit auch Angehörige mit einbezogen werden. Sie können nicht nur unterstützen und motivieren, sondern profitieren auch selbst davon. Denn Angehörige leiden häufig unerkannt mit [3].

Quellen:
[1] http://www.glandula-online.de/fileadmin/krankheitsbilder_broschueren/Cushing.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[2] http://www.medizinfo.de/krebs/allgemein/psyche.shtml (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[3] Sievers C, Stalla G, Steiger A, Reincke M, Künzel H: Psychische Probleme bei Patienten mit Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen. Glandula 30/10: 26–29.
[4] Kelly WF: Psychiatric aspects of Cushing´s syndrome. Q J Med 1996; 89: 543–551, verfügbar unter http://qjmed.oxfordjournals.org/content/89/7/543.full.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[5] http://hypophyse-muenchen.de/pdf/110922_Dimopoulou.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)

Autor: Dr. med. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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