Freunde können bei Problemen, die durch Ihre Krankheit bedingt sind, eine große Unterstützung sein. Wichtig ist dabei das gegenseitige Verständnis, um beispielsweise Unsicherheiten auszuräumen und Bedürfnisse zu klären.

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Novartis

Ein Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) kann für die Betroffenen eine Belastung in verschiedenen Lebensbereichen bedeuten. [1] So kann es bei Akromegalie-Patienten zu einem auffälligen Erscheinungsbild oder Veränderungen am Kehlkopf mit hörbaren Sprechstörungen kommen. Oder es bestehen Gelenk­beschwerden, die die Beweglichkeit einschränken. Auch Morbus Cushing verursacht bei den Betroffenen belastende Symptome, z. B. starke Gewichtszunahme, „Vollmondgesicht" oder Muskelschwund. Beide Krankheitsbilder können zudem psychische Probleme wie Depressionen auslösen. [2]

Freunde können in den verschiedenen Situationen eine große Unterstützung sein. Aber manche sind vielleicht zunächst verunsichert und wissen nicht, wie sie auf Ihre Schwierigkeiten am besten reagieren. Einigen erscheint es einfacher, nicht nachzufragen oder darüber zu sprechen. Andere sind besonders mitfühlend und wirken auf Sie dadurch vielleicht aufdringlich. Sie als Betroffener können jederzeit bestimmen, wann Sie wie viel Nähe ertragen und ob Sie sich mit der Krankheit beschäftigen wollen oder nicht. Für beide Seiten ist es hilfreich, wenn Sie versuchen, sich gegenseitig zu verstehen und sich über Unsicherheiten und Bedürfnisse austauschen.

 

Soll ich meine Freunde grundsätzlich über die Krankheit informieren?

Es ist allein Ihre Entscheidung, ob und wann Sie Freunden von Ihrer Erkrankung erzählen. Wenn Sie generell nicht gerne über persönliche Themen sprechen, so ist das Ihre eigene Art mit Problemen umzugehen. In diesem Fall hilft es, dies dem Anderen freundlich aber bestimmt mitzuteilen. Die meisten Menschen möchten sich jedoch in dieser Situation einer nahestehenden Person anvertrauen oder haben einfach den Wunsch, dass ihre Sorgen und Ängste wahrgenommen werden.

Bei vielen Patienten trägt ein Gespräch unter Freunden dazu bei, die Probleme, die die Krankheit mit sich bringen kann, besser zu verarbeiten. Es kann tröstlich sein, wenn Freunde wissen, wie es Ihnen geht. [3] Außerdem können Freunde oft noch andere Sichtweisen und Erfahrungen einbringen, von denen Sie vielleicht profitieren.

Es kann hilfreich sein, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wem Sie von der Krankheit erzählen und welche Informationen Sie dem Betreffenden geben möchten. So könnten Sie beschreiben, unter welchem Krankheitsbild Sie leiden, wie die Therapie aussieht und wie sich die Krankheit und deren Folgen auf Ihr Leben auswirken.

 

Das Bedürfnis, mit Freunden über die Krankheit zu sprechen, ändert sich

Sie erleben im Verlauf Ihrer Erkrankung wahrscheinlich immer wieder ein Auf und Ab der Gefühle. Dabei kann sich auch das Bedürfnis ändern, mit einem Freund über Ihre Krankheit zu sprechen. Denn die Reaktionen der Freunde können positive oder negative Empfindungen bei Ihnen auslösen. Vielleicht gibt es Themen, über die Sie nicht gerne sprechen.

Gestehen Sie sich zu, jetzt vielleicht nicht reden zu wollen und zu einem anderen Zeitpunkt die Unterstützung zu suchen. Wenn Sie sich darüber im Klaren sind, welche Themen Sie generell oder im Moment vermeiden möchten, dann können Sie sich vorab eine entsprechende Antwort auf diese Fragen überlegen, oder sich eine Strategie zurecht legen, wie Sie das Thema am besten wechseln. [3]

 

Hilfe von Freunden annehmen

Viele Freunde möchten Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen und fragen, wie sie Ihnen helfen können. Es kann für Sie schwierig sein, Hilfe anzunehmen, oder Sie möchten Probleme lieber alleine bewältigen. Auch wenn Sie zunächst meinen, keine Unterstützung zu benötigen, kann sich das immer wieder ändern. Lassen Sie zu, dass sich Freunde in bestimmten Situationen um Sie kümmern und Ihnen helfen. Es ist aber genauso wichtig und in Ordnung, dass Sie Grenzen setzen, wenn Ihnen dies zu viel ist. [3]

 

Ärger oder Ungeduld aufseiten des Freundes/der Freundin

Es gibt eventuell auch Phasen, in denen Freunde Ihnen gegenüber ungeduldig oder ärgerlich sind. Meist sind nicht Sie hierfür der Auslöser, sondern die Situation, in der Sie sich befinden. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn Sie sich zurückziehen oder an gemeinsamen Aktivitäten nicht wie gewohnt teilnehmen. [3]

Wenn Sie Freunden offen sagen, wie es Ihnen geht, werden die meisten auf Ihre Gefühle sensibel reagieren. Es gibt aber Situationen, in denen Ihr Freund/Ihre Freundin nicht erkennt, was Ihnen im Moment gut tut. Möglicherweise sagt er/sie Ihnen dann, dass alles nicht so schlimm sei, oder wechselt sofort das Thema, wenn Sie von Ihren Sorgen und Ängsten erzählen. Lassen Sie sich hiervon nicht entmutigen. Manche Menschen können nicht so gut zuhören, vielleicht weil sie aufgrund eigener Erfahrungen das Thema verdrängen oder selbst unsicher sind. [3]

 

Gemeinsame Aktivitäten mit Freunden

Gute Freunde werden Verständnis dafür haben, dass Sie eventuell nicht wie früher an Ausflügen, am Sport oder an Feiern teilnehmen. Sie werden respektieren, wenn Sie sich etwas zurücknehmen. Vielleicht hilft es auch, wenn Sie äußern, wie Sie gerne die gemeinsame Zeit verbringen möchten.

Quellen:
[1] Pasedach M. Informationsbroschüre für Patienten „Hypophysentumoren“. Herausgeber: Medizinisch-wissenschaftlicher Beirat des Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e. V.
[2] Buchfelder M., Stalla G. Hypophysentumoren: Von der Diagnose zur Therapie − ein Patientenratgeber. 2. Auflage 2002.
[3] http://www.cancer.org/Treatment/UnderstandingYourDiagnosis/TalkingaboutCancer/talking-with-friends-and-relatives-about-your-cancer (zuletzt besucht am 06.12.2017)

Autoren: Dr. Ruth Wissler und Stefan Oetzel