• Schriftgröße
Gemeinsam leben mit Hypophysentumoren

Hypophysentumor und Beruf – eine besondere Herausforderung

Die Auswirkungen von Akromegalie und Morbus Cushing können das Berufsleben beeinflussen. Dies kann die Berufswahl betreffen, aber auch rechtliche Themen wie z. B. Krankmeldung oder Kündigungsschutz.

Hypophysentumor und Beruf – eine besondere HerausforderungWir leben in einer Gesellschaft, in der Aussehen eine wichtige Rolle spielt und sogar in Berufen abseits von Film und Fernsehen über Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten entscheiden kann. [1] Die Attraktivität eines Menschen unterliegt schon seit der Antike Normen und Idealen, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert haben.

Die Erkrankung an einem Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) kann unterschiedliche körperliche und psychische Beschwerden verursachen. [1] Sowohl bei Akro­megalie als auch bei Morbus Cushing können Symptome auftreten, die möglicherweise zu Einschränkungen im Berufsleben führen. Dies kann dann auch arbeitsrechtliche Folgen für die Betroffenen haben.

 

Akromegalie kann sich auf das Berufsleben auswirken

Bei der Akromegalie bildet ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse Wachstumshormon. Dies kann eine Reihe von Beschwerden zur Folge haben. Zu den wichtigsten Akromegalie-Symptomen, die sich auf das Berufsleben auswirken können, zählen [1]:
 

  • Vergrößerung der Hände und Füße und/oder Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Händen: Berufe, die feinmotorische Fähigkeiten erfordern (z. B. Uhrmacher, Zahnarzt), können problematisch sein.
  • Sprechstörungen durch Vergrößerung der Zunge: Bei kommunikativen Berufen (z. B. Callcenter-Tätigkeit, Lehrer, Reiseleiter, Radiosprecher) gibt es möglicherweise Einschränkungen.
  • Gelenkbeschwerden und eingeschränkte Beweglichkeit: Tätigkeiten, die eine hohe körperliche Beweglichkeit erfordern oder mit körperlichen Belastungen verbunden sind (z. B. Dachdecker, Fliesenleger), können möglicherweise nicht ausgeübt werden.
  • Herzerkrankungen, Bluthochdruck: Kreislaufbelastende oder stressbehaftete Tätigkeiten (z. B. Feuerwehrmann, Börsenhändler) können problematisch sein.
  • Sehstörungen, Einschränkungen des Gesichtsfeldes: Tätigkeiten, die eine hohe Sehkraft erfordern (z. B. Kraftfahrer, Pilot, Fotograf) können möglicherweise nicht mehr ausgeübt werden.
  • Verminderte Leistungsfähigkeit: Möglicherweise bestehen Einschränkungen unabhängig vom ausgeübten Beruf.
  • Psychische Belastung: Beispielsweise können Veränderungen des Erscheinungsbildes infolge einer Akromegalie zu einer erheblichen psychischen Belastung führen. So können Arbeitsplätze mit Öffentlichkeitskontakt möglicherweise unzumutbar sein (z. B. Kassiererin, Schalterbeamter).

 

Auch Morbus Cushing kann Berufsfähigkeit beeinträchtigen

Betroffene, die unter Morbus Cushing leiden, können ebenfalls Beschwerden entwickeln, die unter Umständen das Berufsleben beeinträchtigen. Hierzu gehören [1]:

  • Bluthochdruck: Kreislaufbelastende oder stressbehaftete Tätigkeiten können wie bei Akromegalie-Patienten problematisch sein.
  • Muskelschwund, starke Gewichtszunahme: Körperlich anspruchsvolle Arbeiten, z. B. Bauarbeiten oder Berufe, die langes Stehen erfordern, können möglicherweise nicht mehr ausgeübt werden.
  • Knochenschwund (Osteoporose): Arbeiten, die mit körperlichen Belastungen/Sturzgefährdung verbunden sind, können möglicherweise problematisch sein.
  • Psychische Probleme: Depressionen, z. B. infolge des Hormonüberschusses, können ebenfalls zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen.

Welcher Beruf ist mit der Erkrankung möglich?

Wie stark die körperlichen und psychischen Einschränkungen die Berufstätigkeit beeinflussen, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Bei Beschwerden sollten sich Akromegalie-Patienten bzw. Patienten mit Morbus Cushing mit ihrem Arzt beraten, welche Tätigkeiten sie sich selbst zutrauen und welche aus gesundheitlicher Sicht vertretbar sind.

Auch wenn eine längerfristige Einnahme von Medikamenten notwendig ist, kann dies unter Umständen die Berufsfähigkeit einschränken. Hier ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ebenfalls sinnvoll.

 

Rechtliche Aspekte: Arbeitgeber über die Erkrankung informieren oder nicht?

Was die Information des Arbeitgebers über eine Erkrankung betrifft, gibt es eine Reihe von gesetzlich festgelegten Regelungen [2-5]:

Grundsätzlich besteht für Erkrankte keine Pflicht, ihren Arbeitgeber über die Art der Erkrankung oder einzelne Symptome aufzuklären. Dies gilt, solange die Erkrankung nicht unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit oder die angemessene Ausführung der beruflichen Aufgabe haben.

Ein Gabelstaplerfahrer mit Akromegalie müsste seinen Arbeitgeber also in der Regel darauf hinweisen, wenn bei ihm Sehstörungen vorliegen, da in diesem Fall seine Tätigkeit bei eingeschränkter Sehfähigkeit nicht sicher auszuführen wäre. Über die Ursachen der Sehkraftbeeinträchtigung müsste er jedoch keine Angaben machen.

Allerdings hat ein Arbeitgeber Anspruch auf eine gewisse Planungssicherheit. So ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen, wenn er arbeitsunfähig ist und wie lange er dies voraussichtlich dauern wird. [4]

 

Chancen und Risiken wenn Arbeitgeber und Kollegen informiert werden

In Anbetracht möglicher Konsequenzen (Verlust des Arbeitsplatzes durch krankheitsbedingte Kündigung) sollten Patienten, die unter einem Hypophysentumor und dessen Folgen leiden, abwägen, in welchem Umfang sie Vorgesetzte über ihre Erkrankung informieren. Mitarbeiter, die ihrem Betrieb aufgrund wiederholter Krankheitsphasen oder häufiger Arztbesuche nicht ständig zur Verfügung stehen, werden heutzutage rasch als Kostenfaktor eingestuft und – beispielsweise krankheitsbedingt – gekündigt.

Andererseits kann Offenheit im Umgang mit der Erkrankung am Arbeitsplatz auch eine Solidarisierung durch Kollegen und Vorgesetzte bewirken. Dem Patienten können dann besonders belastende Arbeiten abgenommen werden oder er kann in einen Tätigkeitsbereich wechseln, der besser mit der Erkrankung vereinbar ist. Im Einzelfall sollten Betroffene aber unbedingt eine Beratung durch den Haus- oder Betriebsarzt, die Arbeitnehmervertretung (Betriebsrat, Gewerkschaft), Rechts- oder Patientenberatungsstellen einholen, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.

 

Schwerbehinderte genießen arbeits- und sozialrechtlich besonderen Schutz

Die gesundheitlichen Folgen von Akromegalie oder Morbus Cushing sind in manchen Fällen so ausgeprägt, dass den Betroffenen ein gewisser Grad der Behinderung (GdB) zugesprochen wird. Ab einem Grad der Behinderung von 50 Prozent gilt eine Behinderung als schwer [5, 6].

Mit der Einstufung als Schwerbehinderte sind für die Betroffenen verschiedene arbeits- und sozialrechtliche Vorteile verbunden [5, 6]. So gilt für Schwerbehinderte etwa ein besonderer Kündigungsschutz. Darüber hinaus bestehen ein Anspruch auf zusätzliche Urlaubstage, ein Schutz vor Überstunden sowie ein Anspruch auf diverse Hilfen zur Eingliederung in das Arbeitsleben.

 

Medikamenteneinnahme, Arztbesuche und Berufstätigkeit

Für Patienten mit Akromegalie oder Morbus Cushing kann es eine besondere Herausforderung darstellen, trotz Berufstätigkeit alle erforderlichen Arzttermine zu besuchen und die verordneten Medikamente pünktlich einzunehmen. In der Hektik des Arbeitsalltags kann es vorkommen, dass die entsprechenden Termine weniger wichtig erscheinen. Dennoch sollten sie von den Betroffenen unbedingt eingehalten werden.

Auch in diesem Zusammenhang müssen Patienten sorgfältig abwägen, ob es vorteilhafter ist, die Erkrankung gegenüber dem Vorgesetzten und den Kollegen zu verschweigen, oder ob gesundheitsbedingte Fehlzeiten zu weniger Irritationen führen, wenn die Krankheit offen gelegt wird.

Anmerkung:

Aufgrund der Komplexität der angesprochenen Rechtsfragen und der starken Abhängigkeit vom individuellen Fall können die gemachten Aussagen nur einer groben Orientierung dienen. Trotz sorgfältiger Recherche können sie keinerlei Rechtsverbindlichkeit für sich beanspruchen.

Quellen:
[1] Pasedach M. Informationsbroschüre für Patienten „Hypophysentumoren“. Herausgeber: Medizinisch-wissenschaftlicher Beirat des Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e. V
[2] Arbeitsratgeber. Krankmeldung: Das sollten Sie wissen und beachten. http://www.arbeitsratgeber.com/krankmeldung_0249.html (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[3] Denzler E. Darf der Arbeitgeber nach der Diagnose fragen? http://dozenten-forum.de/diagnose.html#Mitteilungs-_und_Nachweispflichten (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[4] Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz). http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/entgfg/gesamt.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[5] Andjelkovic D. Arbeitsrechtliche Fragen bei chronischer Erkrankung und Behinderung. Vortrag vom 21.04.2009. http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Expertise_Schutz_vor_Benachteilig_aufgrund_chronischer_Krankheit.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)
[6] Neuntes Buch Sozialgesetzbuch - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/sgb_9/gesamt.pdf (zuletzt besucht am 05.12.2017)

Autor: Jan Groh, aktualisiert durch Stefan Oetzel
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
Diese Seite teilen: