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Gemeinsam leben mit Hypophysentumoren

Hypophysentumor: Partner können mit betroffen sein

Körperliche und psychische Beschwerden bei Akromegalie und Morbus Cushing können für die Partnerschaft eine Herausforderung bedeuten. Sie bieten aber auch die Chance auf ein neues, gutes Miteinander.

Hypophysentumor: Partner können mit betroffen seinWir leben in einer Gesellschaft, in der Aussehen eine wichtige Rolle spielt und sogar in Berufen abseits von Film und Fernsehen über Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten entscheiden kann. [1] Die Attraktivität eines Menschen unterliegt schon seit der Antike Normen und Idealen, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert haben.

Die Erkrankung an einem Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und die damit verbundenen Krankheitsbilder Akromegalie und Morbus Cushing können unterschiedliche körperliche und psychische Beschwerden verursachen. Eine Beeinträchtigung kann sich auch auf Aspekte des Zusammenlebens in der Partnerschaft auswirken. Gespräche sind ein wichtiges Mittel, um gegenseitiges Verständnis und damit Erleichterung zu schaffen.

 

Symptome bei Akromegalie und Morbus Cushing

Menschen mit Akromegalie haben nicht nur häufig das Problem, dass sie sichtbare Veränderungen z. B. im Gesicht aufweisen. Mögliche Beschwerden sind auch Gelenkdeformationen, Muskelschwäche, Zyklusstörungen bei der Frau und Libido- bzw. Potenzstörungen beim Mann sowie die Entwicklung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). [1]

Bei Patienten mit Morbus Cushing führt die Krankheit oft zur ausgeprägten Fettsucht mit Gewichtszunahme. Typische Symptome sind zudem Muskelschwäche bzw. -schwund, Zyklusstörungen und Vermännlichung bei der Frau, Erkrankung an Diabetes mellitus sowie Knochenschwund (Osteoporose). [1]

Darüber hinaus kann Morbus Cushing ebenso wie Akromegalie zu psychischen Problemen wie Depressionen führen. [2]

 

Mögliche Einschränkungen durch die Beschwerden im Alltag

Symptome wie Muskelschwund, Gelenkdeformation, Osteoporose und Gewichtszunahme können die Mobilität der Betroffenen erheblich einschränken. Dies kann gemeinsamen Aktivitäten z. B. während des Urlaubs im Wege stehen, aber auch zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten führen. Die Entwicklung eines Diabetes mellitus und die damit möglicherweise verbundenen Einschränkungen können ebenfalls das Familienleben beeinträchtigen.

Libido- und Potenzstörungen sind zudem eine Belastung für das gemeinsame Sexualleben und beeinflussen damit auch die Partnerschaft.

Psychische Beschwerden wie Depressionen können für den Betroffenen sehr belastend sein, aber auch für den Partner und die Familie. Dabei können die Auswirkungen auf Ihre Partnerschaft davon abhängen, wie vertrauensvoll und offen Sie miteinander umgehen. So kann es z. B. bei Paaren, die Hemmungen haben, über psychische Probleme zu sprechen, weil sie den Partner nicht noch zusätzlich belasten möchten, eher zu Missverständnissen oder Rückzug kommen.

 

Miteinander reden und verstehen

Es kann sein, dass Sie und Ihr Partner/Ihre Partnerin unterschiedlich mit den Problemen umgehen, die sich infolge Ihrer Krankheit ergeben. Schließlich hat jeder Mensch im Leben eine eigene Strategie zur Bewältigung mit Krisensituationen entwickelt, die für ihn die geeignetste zu sein scheint. Wichtig ist es dabei, miteinander zu reden, um Verständnis füreinander aufzubauen.

Durch eine offene und ehrliche Aussprache kann man die jeweiligen Gefühle und Bedürfnisse des Anderen erfahren und sich damit auseinandersetzen. So können auch Missverständnisse aufgedeckt werden. Häufig bringt es eine große Erleichterung, wenn man seine Sichtweise einmal darlegen kann und das Gefühl bekommt, verstanden zu werden.

Aber auch Phasen, in denen jeder seine Gefühle und Gedanken ganz mit sich alleine ausmachen möchte, sollten gegenseitig respektiert werden.

 

Aufeinander zugehen – sich zurückziehen

Während Sie über Ihre Gefühle reden möchten, geht Er einem Gespräch lieber aus dem Weg oder umgekehrt. Häufig möchten Frauen ihre Gefühle äußern und wünschen sich, dass ihr Partner sie versteht, tröstet und unterstützt. Viele Männer ziehen es dagegen vor, nicht detailliert über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Sie glauben, sie müssten die Situation alleine meistern.

Zu einem respektvollen Miteinander gehört es, gegenseitige Grenzen zu benennen und zu achten, und das richtige Maß zu finden. In einer Partnerschaft ist der beste Weg, dieses herauszufinden, das offene und ehrliche Gespräch.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie für die ersten Schritte Hilfe benötigen oder eine Begleitung Ihnen gut täte, können Sie sich professionelle Unterstützung von Fachleuten holen. Sie können sich hierfür z. B. an Ihren Arzt, einen Psychotherapeuten, einen Seelsorger, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen wenden.

 

Intimität auch bei Einschränkungen

Zur vertrauensvollen Kommunikation in einer Partnerschaft zählt auch der Umgang mit Intimität und Sexualität. Je nachdem, welche körperlichen und psychischen Probleme die Krankheit verursacht, können Intimität und Sexualität beeinträchtigt sein.

Um emotionale Unterstützung zu geben, könnte der Partner/die Partnerin signalisieren, dass er/sie trotz dieser Beeinträchtigungen Zärtlichkeit und Intimität erleben möchte. Wichtig ist, dass beide Partner über ihre Gefühle, Bedürfnisse und Erwartungen bezüglich Intimität und Sexualität offen miteinander sprechen. Nur so können eventuelle Unterschiede geklärt oder Missverständnisse verhindert werden.

Eine stabile Partnerschaft kann Belastungsproben überstehen

Wenn Sie in der Partnerschaft schon vor der Erkrankung Probleme mit der Kommunikation, der Lösung von Konflikten oder der Sexualität hatten, können diese durch die Erkrankung deutlicher hervortreten. Es kann sein, dass eine bereits instabile Beziehung diese schwierige Belastungsprobe nicht übersteht. Wenn Sie eine stabile Beziehung und ein gutes Vertrauensverhältnis haben, muss Ihre Partnerschaft nicht zwangsläufig zerbrechen. Immer wieder beschreiben Paare, dass eine schwere Erkrankung ihre Partnerschaft sogar intensiviert hat. [3]

Quellen:
[1] Pasedach M. Informationsbroschüre für Patienten „Hypophysentumoren“. Herausgeber: Medizinisch-wissenschaftlicher Beirat des Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e. V.
[2] Buchfelder M., Stalla G. Hypophysentumoren: Von der Diagnose zur Therapie − ein Patientenratgeber. 2. Auflage 2002.
[3] Tanja Diamantidis. Den Krebs bewältigen und einfach wieder leben. 2. Aufl. Trias Stuttgart 2010

Autoren: Dr. Ruth Wissler, Stefan Oetzel
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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