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Hypophysentumoren: Die Hormonbildung bestimmt die Symptome

Es gibt viele verschiedene Arten von Hypophysentumoren. Welche Beschwerden und Symptome ein Tumor hervorruft, hängt neben seiner Größe im Wesentlichen davon ab, ob er Hormone bildet – und welche Hormone er bildet.

Hypophysentumoren: Die Hormonbildung bestimmt die SymptomeGeschwülste der Hirnanhangdrüse (Hypophysentumoren) sind eine relativ seltene Erkrankung. Pro 100 000 Einwohner erkranken etwa 1–4 Personen pro Jahr.[1, 3] Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Es gibt aber verschiedenen Arten von Hypophysentumoren, bei denen das Erkrankungsalter stark variieren kann. Auch die Geschlechterverteilung ist bei den verschiedenen Hypophysentumoren unterschiedlich.

 

Hypophysentumor ist nicht gleich Hypophysentumor

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Hypophysentumoren. Dies erklärt sich, wenn man sich Aufbau und Funktion der Hypophyse vor Augen führt. Dabei ist zunächst die Aufteilung in Hypophysenvorderlappen und Hypophysenhinterlappen wichtig. Der weit überwiegende Teil der Hypophysentumoren geht vom Hypophysenvorderlappen aus, der in seinem Aufbau einer hormonproduzierenden Drüse entspricht und deshalb auch als Adenohypophyse (lat.: aden = Drüse) bezeichnet wird. Tumoren in diesem Bereich werden dementsprechend als Hypophysenadenome bezeichnet.

Für Ärzte und Apotheker

Klassifikation von Hypophysentumoren

Die Hauptaufgabe der Hypophyse besteht darin, in ihren Zellen eine Vielzahl an Hormonen zu bilden, die wichtige Stoffwechselprozesse in den Körperorganen steuern und die Aktivität anderer hormonproduzierenden Drüsen regulieren. Die Zellen der Hypophyse können sich vermehren und eine Geschwulst bilden, das Hypophysenadenom. Mehr Zellen kann auch mehr Hormonbildung bedeuten, dies ist aber nicht immer der Fall. Man unterscheidet deshalb bei der Einteilung der Hypophysenadenome hormonaktive von hormoninaktiven Tumoren. Die hormonaktiven machen mit knapp 70 % den Großteil der Tumoren aus; je nachdem welches Hormon der Tumor freisetzt, können sich unterschiedlichste Krankheitsbilder entwickeln.[1, 2]

 

Die Art des gebildeteten Hormons bestimmt die Symptome

Im Hypophysenvorderlappen werden verschiedene Hormone gebildet, die wichtige Aufgaben im Körper erfüllen. Hierzu gehört z. B. die Steuerung der Schilddrüsen-und Sexualfunktion, die sich beim Gesunden in einem empfindlichen Gleichgewicht befinden. Die Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Hypophysentumoren.


Häufigkeit Art des Tumors Gebildetes Hormon Krankheitsbild
Ca. 50 % Prolaktinom Prolaktin Zyklusstörungen bei der Frau, Mangel an weiblichem Geschlechtshormon Östrogen; bei Männern z. B. Störung der Sexualfunktion, verminderter Bartwuchs
Ca. 21 % Somatotropinom Wachstumshormon (GH=growth hormone oder Somatotropin) Akromegalie mit Vergrößerung von z. B. Händen und Füßen, Gelenkbeschwerden, Herz-Kreislaufstörungen etc.
Ca. 5 % Kortikotropinom ACTH (Adrenokortikotropes Hormon) Morbus Cushing mit Überfunktion der Nebennierenrinde und z. B. Gewichtszunahme, Bluthochdruck, psychischen Beschwerden etc.
Ca. 0,4 %
Thyreotropinom TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon, Thyreotropin) Schild­drüsen­über­funktion (Thyreoidea = Schilddrüse) mit z. B. Herzrasen, Schwitzen, Durchfall, Gewichtsverlust
23 % Hormonell inaktive Tumoren v.a. Symptome durch Druckschädigung von angrenzenden Gewebe, z. B. Sehstörungen, Kopfschmerzen, Hormonmangel

Tab. 1: Überblick über die verschiedenen Hypophysentumoren

 

Auch hormoninaktive Tumoren machen Beschwerden

Als hormoninaktiv bezeichnet man Tumoren, die keine Hormonwirkung im Körper hervorrufen. Hormoninaktive Tumoren können Tumoren sein, die

  • keine Hormone produzieren
  • zwar Hormone produzieren, aber nicht freisetzen
  • zu wenig Hormon freisetzen, um eine Wirkung hervorzurufen
  • unwirksame Hormonvarianten oder Vorstufen freisetzen

Auch hormoninaktive Tumoren können zu ausgeprägten Krankheitserscheinungen führen. Dies geschieht vor allem dadurch, dass der Tumor durch sein Wachstum Druck auf angrenzendes Gehirngewebe ausübt und dadurch wichtige Strukturen schädigt.

 

Gutartig, aber dennoch nicht immer heilbar

Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist im besonderen Fall der Hypophysentumoren dennoch zutreffend. Das liegt zum einen an der Lage des Tumors im Gehirn, umgeben von lebenswichtigen Strukturen. Zum anderen können Hypophysentumoren ein besonderes Wachstumsverhalten zeigen.

Als gutartig bezeichnet man grundsätzlich Tumoren, die

  • nicht in ihre Umgebung einwachsen und dadurch angrenzendes Gewebe zerstören
  • keine Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden

Gutartige Hypophysentumoren bilden hier eine Ausnahme. Zwar bilden sie keine Metastasen, in etwa 20 - 30 % der Fälle wachsen sie jedoch in angrenzendes Gewebe ein (invasives Wachstum) und sind dann operativ nicht mehr vollständig zu entfernen. [1, 4]

Ein weiteres Kriterium dafür, ob ein Hypophysentumor vollständig entfernt und damit geheilt werden kann, ist seine Größe zum Zeitpunkt der Diagnose. Ist der Tumor kleiner als 1 cm spricht man von einem Mikroadenom, Tumoren > 1 cm bezeichnet man als Makroadenome. Mikroadenome können in bis zu 90 % der Fälle vollständig entfernt werden, bei Makroadenomen sind die Chancen geringer.[1]

Quellen:
[1] Günter Stalla: Therapieleitfaden Hypophysenerkrankungen, Uni-med Science Verlag, 2. Auflage, 2006
[2]Homepage der Uniklinik Tübingen: http://www.neurochirurgie-tuebingen.de/website/index.php?article_id=18&clang=0
[3] Homepage der Deutschen Krebsgesellschaft http://www.krebsgesellschaft.de/hypophysentumoren,10963.html
[4] Reiser, Semmler: Magnetresonanztomographie, Springer Verlag, 2002

Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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