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Die Hirnanhangdrüse: Aufbau, Funktion und Bedeutung

Die Hirnanhangdrüse liegt an der Unterseite des Gehirns. Das kleine Organ hat große Bedeutung für den Stoffwechsel. Erkrankungen der Hirnanhangdrüse können zu Störungen des Hormonhaushalts und zu schweren Symptomen führen.

Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ist ein ca. kirschkerngroßes Organ, das wie ein Tropfen an der Unterseite des Gehirns hängt. Sie wiegt nur ca. ein Gramm und liegt etwa auf Höhe der Nasenwurzel in einer Knochenmulde, die anatomisch als Türkensattel (lat.: Sella turcica) bezeichnet wird.

Die Hypophyse

Die Hypophyse besteht aus zwei Anteilen, dem Hypophysenvorderlappen (HVL) und dem Hypophysenhinterlappen (HHL), die über den Hypophysenstiel mit dem Gehirn verbunden sind. Beide Anteile sind sowohl in ihrem Aufbau als auch in ihrer Funktion völlig unterschiedlich. Dies ist auf die Entwicklungsgeschichte des Organs zurückzuführen.

 

Der Hypophysenvorderlappen (HVL) ist eine Drüse

Der Hypophysenvorderlappen kann als eigenständige Drüse betrachtet werden, die sich dem Gehirn lediglich "angelagert" hat. Er wird deshalb auch als Adenohypophyse (von griech.: aden = Drüse) bezeichnet. Im Hypophysenvorderlappen werden wichtige Hormone gebildet und in die Blutbahn abgegeben. Dies sind:

  • GH (engl.: Growth Hormone = Wachstumshormon): fördert u.a. das Längenwachstum vor der Pubertät und das Wachstum der Organe.
  • ACTH (Adrenokortikotropes Hormon): regt die Nebennierenrinde (von lat.: ad = bei, ren = Niere, cortex = Rinde) zur Ausschüttung von Kortisol an
  • FSH (Follikel-stimulierendes Hormon): regt bei der Frau die Reifung der Eizellen und beim Mann die Entwicklung der Spermien an
  • LH (luteinisierendes Hormon): spielt zusammen mit FSH eine wichtige Rolle bei der Regulation des weiblichen Zyklus
  • Prolaktin: regt das Wachstum der Brustdrüsen an und fördert die Produktion der Muttermilch
  • TSH (Thyroidea stimulierendes Hormon): regt die Schilddrüsenfunktion an.

 

Der Hypophysenhinterlappen (HHL) ist ein Teil des Gehirns

Der Hypophysenhinterlappen kann als eine Ausstülpung des Gehirns betrachtet werden und wird deshalb auch als Neurohypophyse (von griech.: neuron = Nerv, Nervensystem) bezeichnet. Er ist Teil der übergeordneten Steuerzentrale für den Hormonhaushalt, des Hypothalamus. Der Hypothalamus ist eine Gehirnregion, in der eine Vielzahl von Hormonen gebildet wird. Diese Steuern lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Kreislauf, Nahrungsaufnahme, Körpertemperatur etc. Im Hypophysenhinterlappen werden Hormone des Hypothalamus gespeichert und bei Bedarf freigesetzt, eigene Hormone werden nicht produziert. Zu den wichtigsten Hormonen, die aus dem Hypophysenhinterlappen freigesetzt werden, gehören:

  • Oxytocin: löst am Ende der Schwangerschaft die Wehen aus, regt den Milcheinschuss an.
  • ADH: Reguliert über die Nierenfunktion das Flüssigkeitsvolumen des Körpers

 

Komplexe Regelkreise steuern den Hormonhaushalt

Hypothalamus und Hirnanhangdrüse bilden eine Funktionseinheit. Die Hypophyse kann gleichsam als "Ausführungsorgan" des Hypothalamus betrachtet werden. Beide bilden sie sogenannte Releasing Hormone (von engl. to release = freisetzen), die die Freisetzung anderer Hormone in anderen Drüsen und Organen veranlassen. Um den Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten, existieren komplexe Regelkreise. Vergleichbar mit einem Thermostat am Heizkörper, kann z. B. die Konzentration eines bestimmten Hormons (vergleichbar mit der Raumtemperatur) im Körper die Funktion von Hypophyse oder Hypothalamus hemmen oder fördern (quasi die Heizung herunter- oder hochregeln) und sich so selbst regulieren (Rückkopplungsmechanismus).

 

Erkrankungen der Hypophyse können das Gleichgewicht stören

Unter den Erkrankungen der Hypophyse spielen vor allem die Geschwülste (Tumoren) eine wichtige Rolle. Aber auch Entzündungen oder Fehlbildungen können vorkommen und die Organfunktion beeinträchtigen. Tumoren, die aus Zellen der Hirnanhangdrüse entstehen (Hypophysenadenome) sind meist gutartig, d.h. sie bilden keine Tochtergeschwülste (Metastasen). Man unterscheidet hormonaktive Tumoren von hormoninaktiven Tumoren, je nachdem, ob der Tumor Hormone freisetzt oder nicht.

 

Hormonaktive Tumoren

Bei hormonaktiven Tumoren führt die Geschwulstbildung dazu, dass mehr Zellen vorhanden sind, die übermäßig und unreguliert Hormone produzieren können. Je nach gebildetem Hormon kann dies zu ganz unterschiedlichen Symptomen führen. Beispiele hierfür sind:

  • Überproduktion von Wachstumshormon führt dazu, dass z. B. Hände und Füße wachsen und die Gesichtszüge gröber werden. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Akromegalie.
  • Überproduktion von ACTH führt zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde mit erhöhter Kortisol-Ausschüttung. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Morbus Cushing. Symptome sind z. B. starker Fettansatz vor allem an Oberkörper und Bauch, Muskel- und Knochenschwäche, psychische Probleme und Hautveränderungen.

 

Hormoninaktive Tumoren

Aber auch Tumoren der Hypophyse, die keine Hormone freisetzen, können zu ausgeprägten Krankheitserscheinungen führen. Dies geschieht vor allem dadurch, dass der Tumor durch sein Wachstum Druck auf angrenzendes Gehirngewebe ausübt und dadurch wichtige Strukturen schädigt. Besonders gefährdet ist der Sehnerv, der in unmittelbarer Nähe zur Hypophyse verläuft. Eine Schädigung kann zu Gesichtsfeldausfällen bis hin zur Erblindung führen. Aber auch andere hormonproduzierende Zellen in der Hypophyse können durch den Tumor in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann kann es zu Funktionsausfällen kommen, die sich z. B. in einem Hormonmangel (Hypophyseninsuffizienz) mit entsprechenden Symptomen äußern können.

Quellen:
[1] Günter Stalla: Therapieleitfaden Hypophysenerkrankungen, Uni-med Science Verlag, 2. Auflage, 2006
[2] Trepel: Neuroanatomie Struktur und Funktion, Urban & Fischer, 2. Auflage, 1999
Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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