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Bestrahlung – eine therapeutische Option bei Akromegalie

27.01.2012

Zur Behandlung eines Hypophysentumors bei Akromegalie spielt die Bestrahlung eine eher untergeordnete Rolle. In manchen Fällen kann sie jedoch eine Alternative zur Operation sein.

Bestrahlung – eine therapeutische Option bei AkromegalieDie Bestrahlung spielt in der Therapie der Akromegalie vor allem im Anschluss an die Operation eine Rolle, um eventuelle Tumorreste zu vernichten. Als alleinige Therapie kommt sie nur dann zum Einsatz, wenn eine Operation entweder vom Patienten nicht gewünscht oder nicht möglich ist. Denn wenn der Hypophysentumor bereits zu groß und/oder in umgebende Strukturen eingewachsen ist, kann er nicht mehr vollständig entfernt werden, ohne dass dabei gesundes Gewebe geschädigt wird.

 

Hohe Strahlendosen töten Tumorzellen ab

Bei der Bestrahlung werden Röntgenstrahlen in hohen Dosen gezielt auf das erkrankte Gewebe gelenkt. Das Erbgut der Tumorzellen wird durch die Strahlen so stark geschädigt, dass die Zellen nicht mehr wachsen und sich nicht mehr teilen können. Das bestrahlte Gewebe stirbt langsam ab. Es kommt zur allmählichen Rückbildung des Tumors und damit verbunden zu einer allmählichen Abnahme der Wachstumshormon-Produktion. Dies kann unter Umständen mehrere Jahre dauern.

Für Ärzte und Apotheker

Therapieverfahren bei Hypophysentumoren

Durch die Bestrahlung lässt sich bei ca. 80 % der Patienten der Wachstumshormon-Spiegel im Blut senken, eine vollständige Normalisierung wird allerdings bisher nur bei etwa 20 % der Fälle erreicht.

 

Nebenwirkungen der Bestrahlung

Obwohl moderne Bestrahlungsverfahren ihre therapeutische Wirkung vor allem im Tumorbereich entfalten, können auch sie nicht ganz verhindern, dass auch umliegendes, gesundes Gehirn- und Hypohysengewebe geschädigt wird, wenn dieses im Strahlengang liegt. Wie auch bei einer operativen Therapie, ist der Sehnerv, der sich in unmittelbarer Nähe der Hypophyse befindet, bei der Bestrahlung besonders gefährdet. Die meisten Bestrahlungsverfahren kommen deshalb nur zum Einsatz, wenn der Tumor mindestens 5 mm von der Sehnervenkreuzung entfernt ist (siehe Tabelle).

Bei vielen Patienten führt die Bestrahlung zu einer Unterfunktion der Hypophyse. Folgen können z. B. Funktionsstörungen der Schilddrüse oder der Geschlechtsdrüsen sein. Letzeres kann unter Umständen zu Unfruchtbarkeit führen. In diesen Fällen kann die zusätzliche Einnahme von Hormonen notwendig werden.

 

Verschiedene Bestrahlungsarten können angewandt werden

Wurde die Entscheidung zur Durchführung einer Bestrahlung des Hypophysentumors getroffen, muss sorgsam abgewogen werden, welche Bestrahlungsart im individuellen Fall die geeignetste ist. Je nach angewandtem Verfahren ergeben sich verschiedene Vor- und Nachteile (siehe Tabelle), die z. B. die Dauer und Wirksamkeit der Therapie betreffen. Ein wichtiger Entscheidungsfaktor für das eine oder andere Verfahren ist der Abstand des Tumors zur Sehnervenkreuzung. Denn nur wenige Verfahren können angewandt werden, wenn der Tumor weniger als 5 mm von dieser entfernt ist.

Die Tabelle listet die gängigsten Verfahren zur Bestrahlung eines Hypophysentumors auf. Diese verwenden jeweils unterschiedliche Strahlenarten, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Die drei zuletzt genannten gehören zu den so genannten stereotaktischen Verfahren
(griechisch: stereo = hart, starr; taktisch = Anordnung, Berührung), bei denen mehrere Strahlenbündel erzeugt werden, die sich erst im Tumorbereich in ihrer Wirksamkeit summieren. Die Schädigung umgebenden Gewebes ist dabei geringer als bei konventioneller Bestrahlung.

 

Bestrahlungsart Vorteile Nachteile
Konventionelle Bestrahlung

Gut verfügbar. Einsetzbar, wenn der Tumor nahe der Sehnervenkreuzung sitzt

25-30 Sitzungen bis zur Rückbildung des Tumors erforderlich
Protonenstrahltherapie In einzelner oder mehreren Sitzungen (fraktioniert) möglich Schlecht verfügbar. Tumor muss mehr als 5 mm von der Sehnervenkreuzung entfernt sein
Linearbeschleuniger In einzelner oder mehreren Sitzungen (fraktioniert) möglich Tumor muss mehr als 5 mm von der Sehnervenkreuzung entfernt sein
"Gamma-Knife" (auch "Gamma-Messer" von engl. knife=Messer) In Einzelsitzung möglich; schnelles Ansprechen Schlecht verfügbar. Tumor muss mehr als 5 mm von der Sehnervenkreuzung entfernt sein

Tab. Vor- und Nachteile unterschiedlicher Bestrahlungsverfahren zur Behandlung eines Hypophysentumors

 

Lassen Sie sich ausführlich beraten

Vor dem Beginn einer Strahlentherapie sollten Sie sich ausführlich von Ihrem behandelnden Arzt aufklären lassen. Lassen Sie sich Möglichkeiten und Alternativen der Behandlung erörtern und wägen Sie Nutzen und Risiken sorgsam gegeneinander ab.

Quellen: Leitlinien zur Diagnose und Behandlung der Akromegalie, Endokrinologie-net, Homepage der Technischen Universität München
Stand: 10.09.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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