In frühen Krankheitsphasen können die Symptome einer Akromegalie bei Frauen Wechseljahresbeschwerden ähneln. Da die Akromegalie zudem oft in dem für die Wechseljahre typischen Alter auftritt, ist eine Verwechslung leicht möglich. Sicheren Aufschluss über die Ursache der Beschwerden geben eine körperliche Untersuchung und die Bestimmung von Hormonspiegeln.

In rund 95 % der Fälle geht Akromegalie auf eine gutartige Geschwulst der Hirnanhangsdrüse zurück (Hypophysenadenom). Die Folge können Veränderungen des Hormonhaushalts des Körpers sein, die nicht nur das Wachstumshormon(GH) betreffen, sondern auch den Ausstoß von Schilddrüsen- und Geschlechtshormonen beeinflussen können.

wechseljahrsbeschwerden
Novartis

Akromegalie kann Beschwerden auslösen, die Wechseljahresbeschwerden ähneln

Da Wechseljahresbeschwerden ebenfalls auf Veränderungen im Wechselspiel der weiblichen Geschlechtshormone zurückgehen, leuchtet ein, dass beide Ursachen ähnliche Beschwerden verursachen können. Es besteht die Gefahr, dass Symptome einer Akromegalie für Wechseljahresbeschwerden gehalten werden. Zusätzlich verstärkt wird diese Gefahr dadurch, dass sowohl die Wechseljahre als auch Akromegalie etwa im gleichen Lebensalter auftreten und aufgrund der Seltenheit der Erkrankung nicht an eine Akromegalie gedacht wird.

Um eine Verwechslung zu verhindern, ist es entscheidend, sämtliche Körper- und Befindlichkeitsveränderungen zu erfassen und bezüglich ihrer Ursache abzuklären.

Häufige Symptome von Wechseljahresbeschwerden, die auch bei Akromegalie auftreten können, sind:

  • Hitzewallungen: Etwa 70 % aller Frauen leiden in den Wechseljahren an Hitzewallungen. Diese beginnen oft mit einem leichten Druckgefühl im Kopf, an das sich eine Hitzeempfindung anschließt, die sich vom Kopf über den Hals bis zur Brust ausbreitet. Das Gesicht rötet sich, und ein Schweißausbruch schließt sich an. Zumeist geht die Attacke nach einigen Minuten vorüber. - Rund die Hälfte aller Frauen leidet über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren an Hitzewallungen.
    Besonderheiten bei Akromegalie: Auch eine Akromegalie führt oft zu Schweißausbrüchen, die sich jedoch bevorzugt nachts ereignen. Der Schweiß hat einen starken, unangenehmen Geruch.
  • Herzrasen: Es tritt in den Wechseljahren in der Regel im Zusammenhang mit Hitzewallungen auf.
    Besonderheiten bei Akromegalie: Bei Akromegalie kommt es häufig zu Bluthochdruck und zu einer vermehrten Belastung des Herzens durch eine erhöhte Blutmenge. Langfristig können diese Veränderungen zu Herzrhythmusstörungen führen.
  • Schlafstörungen: Wechseljahresbeschwerden gehen vielfach mit Ein- und Durchschlafstörungen einher. Diese treten meistens im Zusammenhang mit Schweißausbrüchen und Hitzewallungen auf.
    Besonderheiten bei Akromegalie: Neben direkt durch Hormone hervorgerufenen Schlafstörungen können bei Akromegalie auch Größenveränderungen des Gesichts und des Rachens zu anhaltender Müdigkeit und Schlafproblemen führen. 60 bis 80 % aller Akromegalie-Patienten leiden am so genannten Schlafapnoe-Syndrom. Dabei kommt es aufgrund der Entspannung im Schlaf zu einem Verschluss der Atemwege durch Teile des Gaumens, der bis zu mehreren Minuten lang anhalten kann. Die Folge ist eine verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns. Die Betroffenen schrecken schließlich aus dem Schlaf auf, der normale Schlafrhythmus ist zerstört. In der Folge kann es zu chronischer Müdigkeit, Erschöpfung, Bluthochdruck und Kopfschmerzen kommen.

Weitere verbreitete Wechseljahresbeschwerden wie

  • Depressive Verstimmungen,
  • Trockenheit und Infektionen der Scheide oder
  • Harnwegsbeschwerden

können im Rahmen einer Akromegalie zwar vorkommen, wenn über das Wachstumshormon hinaus weitere Hormone von Störungen betroffen sind, treten aber nicht regelhaft auf.

 

Wichtige Anzeichen von Akromegalie treten bei Wechseljahresbeschwerden nicht auf

Neben Symptomen, die durch die Wechseljahre ausgelöst werden können, verursacht eine Akromegalie auch Körperveränderungen und Beschwerden, die in den Wechseljahren normalerweise nicht auftreten. Diese können den Weg zur Diagnose der Akromegalie weisen, sofern sie wahrgenommen und abgeklärt werden. Dazu gehören:

  • Vergröberung der Gesichtszüge: Der Hut passt nicht mehr, Augenbrauenwülste, Nase und Kinn treten deutlicher hervor und verbreitern sich.
  • Größenzunahme von Händen und/oder Füßen: Die Schuhe, Handschuhe oder der Ehering scheinen zu klein geworden zu sein und passen nicht mehr. Beim Schuhkauf muss eine größere Schuhnummer gewählt werden.
  • Gelenk- und Muskelschmerzen: 30 bis 70 % aller Akromegalie-Patienten leiden an rheumaähnlichen Schmerzen in Gelenken oder der Muskulatur.
  • Karpaltunnelsyndrom: Aufgrund einer Schwellung des mittleren Handnervens und von Wachstumsprozessen im Bereich des Handgelenks können Schmerzen und Missempfindungen („Ameisenlaufen", Einschlafen der Hand), Muskelschwäche oder Durchblutungsstörungen der Hand auftreten.
  • Sehstörungen: Die Geschwulst an der Hirnanhangsdrüse, die in den meisten Fällen für eine Akromegalie verantwortlich ist, kann auf den Sehnerv drücken und dadurch zu Sehstörungen und Einschränkungen des Gesichtsfelds führen.

Klarheit über das Vorliegen einer Akromegalie bringen, neben der körperlichen Untersuchung durch den Arzt, die entsprechenden Diagnoseverfahren zum Nachweis der Erkrankung.

Quellen: Chanson Ph, Salenave S: Acromegaly. Orphanet Journal of Rare Diseases 2008, 3:17,
Novartis Patientenbroschüre Akromegalie

Autor: Jan Groh