• Schriftgröße

Karpaltunnelsyndrom: Oft zeigt sich eine Akromegalie zuerst durch Taubheit an den Händen

Akromegalie führt oft bereits im Frühstadium zu Veränderungen an der Handwurzel. Dadurch kann ein wichtiger Handnerv geschädigt werden. Mögliche Folgen sind Missempfindungen und Schmerzen: das Karpaltunnelsyndrom.

Die Symptome einer Akromegalie weisen oft nicht eindeutig auf die eigentliche Erkrankung hin, sondern kommen auch bei anderen Krankheiten vor. Vielfach dauert es deshalb lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Umso wichtiger ist es, bei bestimmten verbreiteten Krankheitszeichen auch die Möglichkeit einer Akromegalie-Erkrankung in Betracht zu ziehen. Das gilt in besonderem Maße für das Karpaltunnelsyndrom, eine Erkrankung des Handgelenks, die oft schon frühzeitig im Verlauf einer Akromegalie auftritt.

Ärzte, die sich gut mit dem Karpaltunnelsyndrom auskennen, sind vor allem Neurologen, Orthopäden und Chirurgen, insbesondere spezialisierte Handchirurgen.


Was ist der Karpaltunnel?

Der Bereich des Handgelenks, also der Handwurzel, ist nahezu vollständig von Knochen ausgefüllt. Für die zahlreichen Muskelsehnen, die die Beweglichkeit der Hand gewährleisten, für Blutgefäße und Nerven bleibt in diesem Bereich daher nur wenig Raum. Auf der Handflächenseite der Handwurzel verlaufen die Sehnen und zugehörigen Gleithüllen (Sehnenscheiden) von neun Muskeln sowie der so genannte mittlere Handnerv (Nervus medianus oder Medianusnerv). Sie werden durch einen engen Kanal geführt, der von den Handwurzelknochen und einem quer zum Unterarm verlaufenden Band aufgespannt wird (vgl. Abbildung 1). Dieser Kanal wird als Karpaltunnel („Handwurzeltunnel") bezeichnet.


Abb. 1: Der Medianusnerv versorgt Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie eine Seite des Ringfingers. Wird der Nerv durch eine Einengung im Karpaltunnel beeinträchtigt, kribbelt es typischerweise in diesen Fingern.

 

Beim Karpaltunnelsyndrom schädigt Druck einen Handnerven

Wird der Karpaltunnel etwa durch Wachstum der Handwurzelknochen eingeengt oder kommt es in diesem Bereich zu einer Schwellung, entsteht Druck auf den im Tunnel verlaufenden Handnerven. Der Nerv wird in seiner Funktion beeinträchtigt.

Im Frühstadium des Karpaltunnelsyndroms nehmen die Betroffenen oft noch keine Beschwerden wahr. Elektrische Messungen der Nervenfunktion, dem wichtigsten Diagnoseverfahren für das Karpaltunnelsyndrom, können jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt eine Beeinträchtigung des mittleren Handnervens nachweisen.

Das erste für die Betroffenen spürbare Symptom ist oft ein Kribbeln, das den Daumen, den Zeige- und Mittelfinger sowie die daumenseitige Hälfte des Ringfingers und die Handfläche betrifft. Die Patienten empfinden ihre Hand oftmals als ungeschickter und weniger berührungsempfindlich.

In fortgeschritteneren Stadien tritt Schmerz in der Hand, später auch im gesamten Arm bis zur Schulter auf. Dieser Schmerz macht sich besonders nachts bemerkbar und zwingt die Betroffenen unter Umständen, immer wieder aufzustehen und die Hand zu bewegen, um Erleichterung zu finden.

Bei weiter fortbestehendem Druck kann schließlich die Kraft der Hand nachlassen, die Muskulatur am Daumenballen verkümmern und die Haut im Versorgungsgebiet des Medianusnervs berührungsunempfindlich werden.

 

Wie entsteht das Karpaltunnelsyndrom bei Akromegalie?

Die übermäßige Freisetzung von Wachstumshormon bei Akromegalie führt zu zahlreichen Veränderungen im Körper; eine Folge kann auch das Karpaltunnelsyndrom sein. Als Ursache dafür wird angenommen, dass es bei Akromegalie zum Anschwellen von Sehnen und Sehnenscheiden im Karpaltunnel kommt. Stichprobenartigen Untersuchungen zufolge sind zwischen 25 bis 67 % aller Akromegalie-Patienten von einem Karpaltunnelsyndrom betroffen. Der subjektive Schweregrad der Erkrankung variiert dabei jedoch stark. Einige Patienten empfinden keine Beeinträchtigungen, obwohl der Druck auf den mittleren Handnerven erhöht ist, während andere unter starken Beschwerden leiden.

 

Therapie des Karpaltunnelsyndroms

Zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms kann in leichten Fällen nachts eine Handschiene angelegt werden. Auch Kortisonpräparate können helfen oder das Anlegen einer speziellen Apparatur, die mittelfristig das Band über dem Karpaltunnel dehnt. In schweren Fällen ist eine Operation unumgänglich. Bei dieser wird das Band über dem Karpaltunnel durchtrennt, so dass der Druck im Karpaltunnel vermindert wird.

Bei Akromegalie hat sich erwiesen, dass die Normalisierung des Wachstumshormons in der Regel nicht zum Abklingen des Karpaltunnelsyndroms führt. Die Betroffenen sollten daher zügig eine gezielte Behandlung ihres Handgelenks anstreben, damit es nicht zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des mittleren Handnervens kommt.

Quellen:
Steffens K: Das Karpaltunnelsyndrom (Stand: 12.01.2010); Mayer KC: Karpaltunnelsyndrom (Stand: 12.01.2010); Dt. Ges. f. Handchirurgie, Dt. Ges. für Neurochirurgie, Dt. Ges. f. Neurologie, Dt. Ges. für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie unter Beteiligung der Dt. Ges. für Unfallchirurgie, Dt. Ges. f. Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung, Dt. Ges. f. Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms vom Nov. 2006; Kameyama S, et al.: Subclinical carpal tunnel syndrome in acromegaly. Neurol Med Chir (Tokyo) 1993; 33: 547-51; Lippert H: Lehrbuch Anatomie, München, Urban & Schwarzenberg 1990.
Autor: Jan Groh
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
Diese Seite teilen: