• Schriftgröße

Laboruntersuchungen zur Diagnose und Kontrolle einer Akromegalie

Der orale Glukose-Toleranztest (oGTT) und der IGF-1-Test können die hormonellen Veränderungen bei Akromegalie nachweisen und ermöglichen sowohl die Diagnose als auch die Verlaufskontrolle der Erkrankung.

Für Ärzte und Apotheker

Diagnostik der Akromegalie

Bei der Akromegalie bildet ein Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu viel Wachstumshormon, das ins Blut abgegeben wird. Die Bildung von Wachstumshormon wird über einen Regelkreis gesteuert, an dem mehrere andere Hormone, aber auch nichthormonelle Substanzen beteiligt sind, die sich gegenseitig beeinflussen.

Verschiedene Laboruntersuchungen können Veränderungen innerhalb dieses Regelkreises nachweisen. Deshalb werden diese Untersuchungen sowohl zur Erstdiagnose als auch zur Überprüfung der Aktivität einer bereits behandelten Akromegalie herangezogen.

Die wichtigsten Substanzen, die entscheidende Hinweise auf eine aktive Akromegalie liefern können, sind das Wachstumshormon und IGF-1 (insulin-like growth factor 1).

 

Das Wachstumshormon

Für das Wachstumshormon gibt es mehrere Abkürzungen, die alle das Gleiche bezeichnen. Häufig verwendet wird die Abkürzung GH (= growth hormone, oder HGH für human growth hormone). Alternativ findet man auch die Bezeichnung Somatotropin oder STH für somatotropes Hormon. Bei Kindern regelt das Wachstumshormon das Größenwachstum, beim Erwachsenen spielt es eine wichtige Rolle im Eiweiß- und Fettstoffwechsel sowie bei der Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels.

Die Wachstumshormonkonzentration wird durch zwei Hormone aus dem Hypothalamus beeinflusst: GHRH (= growth hormone releasing hormone) fördert, Somatostatin (SMS) hemmt die Bildung von Wachstumshormon in der Hypophyse (siehe Abb. 1).

 

Regelkreis der Ausschüttung des Wachstumshormons (GH)

Abb. 1: Regelkreis der Ausschüttung des Wachstumshormons (GH)
GH releasing hormone (GHRH) und Somatostatin (SMS) werden vom Hypothalamus gebildet und in die Hypophyse geleitet. Dort stimulieren (+) bzw. hemmen (-) sie die Sekretion von Wachstumshormon (GH). Das ausgeschüttete GH gelangt über den allgemeinen Blutkreislauf in die Leber und stimuliert dort die Freisetzung von IGF-1, das in vielen Geweben (u.a. Knochen und Muskel) anabol (d.h. Gewebe-aufbauend) wirkt. Über positive bzw. negative Rückkopplung greifen Stoffwechseleinflüsse in diesen Regelkreis ein: Eine hohe Blutzuckerkonzentration und eine hohe IGF-1-Konzentration wirken - ähnlich wie eine hohe GH-Konzentration - hemmend auf die GH-Ausschüttung.


Die Wachstumshormonkonzentration im Blut hängt auch von äußeren Faktoren ab, wie z. B. körperlicher Aktivität und Ernährungszustand. Da Wachstumshormon außerdem nicht kontinuierlich, sondern schubweise aus der Hypophyse freigesetzt wird, unterliegt der Blutspiegel auch beim Gesunden so starken Schwankungen, dass eine Einzelbestimmung allenfalls einen Hinweis auf eine Akromegalie geben kann. Deshalb wird in der Praxis heute meist ganz auf die Bestimmung der Wachstumshormonkonzentration verzichtet. Wird der Test durchgeführt und die gemessenen Werte liegen unter 10 ng/ml, ist eine Akromegalie nahezu ausgeschlossen. Dennoch sollten auch in diesem Fall weitere Funktionstests durchgeführt werden: die zwei wichtigsten sind der IGF-1-Test und der oGTT.

 

Der IGF-1-Test

IGF-1 ist ein Hormon, das unter Einfluss des Wachstumshormons überwiegend in der Leber, aber auch im Knochen und in anderen Organen gebildet wird. Es wirkt anabol, also Gewebe aufbauend in vielen Geweben des Körpers (siehe Abb. 1).

IGF-1 ist bei einer aktiven Akromegalie deutlich erhöht und eignet sich deshalb sowohl als Suchtest zur Diagnose einer Akromegalie als auch zur Verlaufskontrolle bei bereits behandelter Akromegalie. Als alleiniges diagnostisches Mittel ist dieser Test jedoch nicht aussagekräftig genug, da IGF-1 z. B. in der Schwangerschaft oder bei Leber- und Nierenerkrankungen ebenfalls erhöht sein kann. Da die IGF-1-Konzentration mit steigendem Lebensalter abnimmt, sind außerdem die alters- und geschlechtsabhängigen Normwerte zu beachten. Diese liegen zwischen 130 und 354 ng/ml.

 

Der orale Glukose-Toleranz-Test (oGTT)

Die Messung des Wachstumshormonspiegels (GH-Konzentration) nach der Einnahme von Glukose (Traubenzucker) ist der empfindlichste Test zum Nachweis einer Akromegalie. Beim oralen Glukose-Toleranz-Test (oGTT) trinkt der Patient zu Beginn eine Lösung, die 100 g Glukose enthält. Zu Testbeginn und dann in Abständen von 30, 60 und 90 Minuten wird die Wachstumshormonkonzentration im Blut bestimmt. Beim Gesunden führt die Gabe von 100 g Glukose normalerweise zu einer vollständigen Unterdrückung der Wachstumshormonbildung. GH-Konzentrationen über 1 µg/l (in neueren Tests 0,5 µg/l) bei allen Messungen über den Zeitverlauf des Tests sprechen für das Vorliegen einer Akromegalie.

Bei der Bewertung des Testergebnisses ist zu beachten, dass der oGTT auch bei Diabetes mellitus oder Leber- und Nierenerkrankungen positiv sein kann.

 

Diagnostisches Vorgehen

Besteht der Verdacht auf eine Akromegalie, wird der untersuchende Arzt in den meisten Fällen folgendermaßen vorgehen:

  1. Bestimmung der IGF-1-Konzentration: Werte > 130 bis 354 ng/ml, Verdacht auf Akromegalie
  2. Oraler Glukose-Toleranz-Test: Werte > 1 µg/l (mit neueren Tests > 0,5 µg/l) bei allen Messungen über den Zeitverlauf des Tests: Vorliegen einer Akromegalie sehr wahrscheinlich.

Die höchste Aussagekraft hat der orale Glukose-Toleranz-Test. Er entspricht dem derzeitigen Goldstandard bei der Diagnose einer Akromegalie. Zur Sicherung der Diagnose und um Größe und Beziehung des Tumors zu umgebenden Strukturen bestimmen zu können, muss ein Kernspintomogramm (MRT) angefertigt werden.

Quellen: medizininfo.de, uke.de, akromegalie-register.de, endokrinologie.de, laborlexikon.de, pharmazeutische-zeitung.de, Labor Enders, Stuttgart: http://www.labor-enders.de/uploads/media/STH-Suppressionstest.pdf, Endokrinologikum Hamburg: http://www.endokrinologikum.com/index.php?cccpage=ae_diagnostik_anabasis_funktionsteste_detail&set_z_anabasis_
funktionsteste=19, Thomas L.: Labor und Diagnose, 7. Auflage, 2008, Seite 1468-1469.

Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
Diese Seite teilen: