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Akromegalie: Medikamente spritzen

Manche Wirkstoffe können einfach noch nicht als Tablette verabreicht werden. Medikamente unter die Haut oder in die Muskulatur zu spritzen, kann aber auch von Vorteil sein, wenn sie dadurch z. B. länger wirksam sind.

Impfungen, Insulin, Blutverdünner – viele Wirkstoffe müssen gespritzt werden, um im Körper wirken zu können. Dies gilt z. B. auch für Somatostatin-Analoga, die bei der Behandlung von Akromegalie eingesetzt werden. Verwirrend ist für Patienten häufig, dass sie sich einige Medikamente selbst spritzen können, während andere wiederum nur von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden dürfen. Warum ist das so, und warum müssen Medikamente überhaupt gespritzt werden?

 

Medikamente müssen ins Blut, um zu wirken

Das Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zu jeder Zelle im Körper. Aus diesem Grund kann es auch Medikamente dorthin bringen, wo sie wirken sollen: im Fall der Akromegalie z. B. zu den Zellen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). In die Blutbahn können Medikamente auf unterschiedlichen Wegen gelangen. Die für Patienten angenehmste Form sind meist Tabletten. Der Wirkstoff wird dabei über den Darm aufgenommen und gelangt nach und nach in den Blutkreislauf. Die meisten Wirkstoffe würden aber in ihrer natürlichen Form durch die aggressiven Verdauungssäfte in Magen und Darm zerstört werden. Oft bedarf es jahrelanger Entwicklungen, einen Wirkstoff so zu „verpacken", dass er in ausreichender Menge und Geschwindigkeit aufgenommen wird. Tabletten haben aber auch Nachteile: Durch die Ernährung, Durchfall oder Verstopfung kann die Menge des aufgenommenen Wirkstoffs und damit die Wirkung z. B. erheblich schwanken. Die besonderen Merkmale verschiedener Aufnahmewege können bewusst genutzt werden, um zu steuern, wie lange oder stark ein Arzneimittel wirkt.

 

Medikamente direkt in die Vene: effektiv, aber keine Dauerlösung

Medikamente können über Venen direkt in das Blutsystem injiziert werden. Dies kann entweder in Form einer einmaligen Spritze oder über einen längeren Zeitraum als Infusion erfolgen. Man bezeichnet dies als intravenöse Injektion (Abk.: i. v.; lat.: intra = innerhalb). Die Wirkung setzt zwar schnell ein, hält aber durch die Verdünnung im Blut meist nicht lange an [1].

Es erfordert Übung, das Medikament auch sicher in die Vene zu injizieren. Deshalb dürfen intravenöse Injektionen nur von medizinischem Fachpersonal vorgenommen werden. In der Regel müssen die Patienten während der Gabe auch überwacht werden. Daher erfolgen sie meist im Krankenhaus oder in der Praxis. Auf Dauer wären intravenöse Injektionen jedoch nicht nur unangenehm und einschränkend, sie würden auch die Venen zunehmend schädigen.

Abb. 1: Möglichkeiten der Injektion von Medikamenten (Klicken Sie zur Vergrößerung auf das Bild)

 

Medikamente unter die Haut spritzen

Mediziner unterscheiden zwei Arten, Medikamente unter die Haut zu spritzen (siehe Abbildung 1):

  • Subkutan (Abk.: s. c.; lat.: sub = unter, cutis = Haut)
    Medikamente, wie z. B. Insulin, werden hierbei mit einer kurzen, dünnen Nadel in das Fettgewebe unter der Haut gespritzt. Patienten oder Angehörige können subkutane Injektionen nach entsprechender Unterweisung durch medizinisches Fachpersonal selbst durchführen [2].
  • Intramuskulär (Abk.: i. m.; lat.: intra = innerhalb)
    Hierbei werden Medikamente, wie z. B. Impfstoffe, mit einer etwas längeren, dünnen Nadel in die Muskulatur unter der Haut gespritzt. Typische Stellen sind das Gesäß, der Oberarm oder der Oberschenkel. Bei der intramuskulären Injektion können in seltenen Fällen z. B. Entzündungen des Muskels oder Nervenschäden auftreten. Aus diesem Grund dürfen intramuskuläre Injektionen nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden [2].

In beiden Fällen muss der Wirkstoff aus dem Fettgewebe oder dem Muskel erst über die kleinsten Blutgefäße in den Blutkreislauf gelangen [1]. Die Wirkung tritt daher langsamer ein, als bei der intravenösen Injektion. Dies kann jedoch erwünscht sein und noch verstärkt werden: Die chemische Zusammensetzung der injizierten Flüssigkeit kann z. B. so verändert werden, dass ein Depot entsteht. Aus ihm wird über einen längeren Zeitraum (Stunden bis Wochen) ständig eine kleine Menge an Wirkstoff freigesetzt [1]. Auf diese Weise können subkutan oder intramuskulär verabreichte Medikamente über einen wesentlich längeren Zeitraum wirken als z. B. Tabletten.

 

Im Zweifelsfall mit dem Arzt sprechen

Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Medikament verordnet, welches Sie selbst spritzen sollen, wird er Ihnen auch genau zeigen, was Sie tun müssen. Die ersten Male werden Sie sich die Spritze mit Hilfe oder unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal geben. Hilfreiche Tricks und Tipps zur Injektion erhalten Sie häufig auch von Patienten mit der gleichen Erkrankung. Sollten Sie dennoch einmal unsicher oder der Spritzen überdrüssig sein, suchen Sie unbedingt das Gespräch mit Ihrem Arzt. Das Medikament selbstständig abzusetzen, kann schwerwiegende Folgen haben. Gemeinsam lässt sich fast immer eine gute Lösung finden.

Quellen:
[1] Forth W, Henschler D, Rummel W: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 8. Auflage, 2001 Urban & Fischer Verlag. ISBN: 3-437-42520-X.
[2] Schuber, A., Koch, T.: Infusionen und Injektionen. Schritt für Schritt in Wort und Bild. Elsevier GmbH, München 2010.
Autor: Dr. Sonja Hermeneit
Dies ist ein Service von Novartis Pharmaceuticals
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